Werbung

Diagnose Breitbandschwäche

Sächsische Ärzte beklagen langsame Internet-Verbindungen - Ausbau der Telemedizin stockt

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sachsens Breitbandatlas gleicht einem Flickenteppich. Wer im Freistaat nach der Verfügbarkeit schneller Internetverbindungen sucht, stößt auf viele graue Flecke. Sie stehen für eine Unterversorgung. Sachsen ist beim Breitbandausbau so etwas wie die graue Maus unter den deutschen Bundesländern und nimmt den drittletzten Platz ein - das ist schlecht für ein Land, dass gern als High-Tech-Standort für sich Werbung macht. Nur knapp 58 Prozent der Haushalte haben eine Verbindung mit einer Datenrate von mindestens 50 Megabits pro Sekunde. Vor allem im ländlichen Raum sieht es dünn aus. Bürgermeister beklagen, dass jede Kommune selbst den Netzausbau plant und regelt. Immerhin: Das Wirtschaftsministerium sieht Anzeichen für Besserung.

Nicht nur Branchen wie die Kreativwirtschaft sind auf ein schnelles Netz angewiesen. Auch das Gesundheitswesen will von den Segnungen der Technik profitieren. Manchmal geht es nur um schnelle Abrechnungen, künftig soll die Telemedizin eine Rolle spielen. »In vielen Berufen sind E-Mails oder Video-Konferenzen Standard und auch in der privaten Kommunikation spielen Instant-Messaging-Dienste eine große Rolle. In der Kommunikation mit der Arztpraxis und dem Arzt jedoch passiert immer noch vieles analog«, sagt Simone Hartmann, Chefin der Techniker Krankenkasse (TK) in Sachsen. Bisher gebe es nur viele Ankündigungen und Wunschvorstellungen: »Dort wo es konkret wird, fehlt es an einer schnellen Umsetzung. Das dauert alles viel zu lange.«

Gerade auf dem Lande sei der Breitbandausbau dringend notwendig, weil dort Telemedizin oder die Videosprechstunde die Versorgung sofort verbessern könnten, sagt Hartmann und verweist auf Länder wie die Schweiz oder Estland, wo Telemedizin schon lange etabliert ist.

»Warum schöpfen wir in Deutschland die Potenziale nicht voll aus? Die Vorteile telemedizinischer Fernbehandlung sind offensichtlich: Sie könnte nicht nur die Versorgung verbessern, sondern die wenigen dort ansässigen und überlaufenen Arztpraxen entlasten.« Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien, müssten seltener lange Anfahrtswege zum Arzt auf sich nehmen. Einige Erkrankungen ließen sich via Online-Sprechstunde vom Hausarzt behandeln.

Hartmann sieht im schnellen Breitbandausbau eine Zukunftssicherung für die gesamte Wirtschaft: »Das digitale Zeitalter hat längst begonnen. Regionen können es sich nicht leisten, da abgehängt zu werden.« Die Politik müsse den rechtlichen Rahmen für einen Ausbau der Telemedizin schaffen.

»Ganz aktuell lassen sich Auswirkungen des lückenhaften Breitbandausbaus bei der elektronischen Notarztabrechnung erleben«, sagt Dirk Bunzel, Sprecher des Verbandes der Ersatzkassen im Freistaat. Die gesetzlichen Kassen seien verantwortlich, dass genügend Notärzte zur Verfügung stünden. Um diese Einsätze für die Ärzte attraktiver zu machen, haben die Kassen unter anderem die elektronische Abrechnung eingeführt. »In einigen Regionen können ein Jahr nach Beginn des Projekts die Notarzteinsätze immer noch nicht elektronisch abgerechnet werden, weil vor Ort ein schnelles Internet fehlt.« Konsequenz: Statt 40 Tage müssen die Betroffenen mehr als ein halbes Jahr auf die Vergütung warten.

Bunzel würdigt den Umstand, dass der Freistaat die Digitalisierung zur Chefsache erklärte und in den aktuellen Doppelhaushalt zehn Millionen Euro für die Förderung der Telemedizin einstellte: »Das sind wichtige Weichenstellungen gewesen.« Dennoch werde Sachsen an Tempo zulegen müssen, wenn es bei der Telemedizin an die Spitze will. »Auch andere Bundesländer legen die Hände nicht in den Schoß. Und das nicht nur beim Breitbandausbau. Baden-Württemberg will beispielsweise schon zum Jahresende die Online-Sprechstunde in einem Modellversuch testen«, sagt der Verbandssprecher.

Für die AOK-Plus spielt nicht zuletzt der Faktor Mensch eine Rolle. »Die Bereitschaft einzelner Akteure, die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung für die medizinische Versorgung zu nutzen, ist mindestens ebenso ausbaufähig wie das schnelle Internet in einigen Gegenden«, meint Sprecherin Hannelore Strobel.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen