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Noch 13 Tage bis zur Bundestagswahl. Noch wissen viele Menschen nicht, wie sie sich entscheiden sollen: Sollen sie aufstehen oder den Sonntag gemütlich auf dem Sofa verbringen? Vor allem für junge Menschen ist die Entscheidung eine Qual. Auch das sogenannte Kanzlerduell, das vor einer Woche im Fernsehen lief, war ihnen keine große Hilfe. Der »Beef« war äußerst langweilig; weder Merkel noch Schulz hätten sich wirklich gegenseitig »gedisst«, meinte hinterher mein 18-jähriger Sohn.

Für uns »alte Säcke« (O-Ton des jüngeren Bruders) war dagegen der Steuer-O-Mat im Internet eine Hilfe. Das Programm ist praktisch: Man muss nur seinen Jahresbruttoverdienst, seinen Familienstand und die Zahl eventuell vorhandener Kinder eingeben und bekommt in Sekundenschnelle errechnet, von welcher Partei (laut Parteiprogramm) man die höchste Steuerentlastung zu erwarten hat.

Während des »Kanzlerduells« waren wir bei Freunden zum TV-Gucken eingeladen. Das Paar gehört zur gehobenen Mittelschicht und wählt schon allein aus beruflichen Gründen (Medienbranche und Senatsbedienstete) seit Langem SPD. Als Martin Schulz sich zum gefühlt hundertsten Mal bei den Journalisten für die »wirklich gute Frage« bedankt hatte, schalteten wir innerlich ab - und holten uns Rat beim Steuer-O-Mat.

Wir haben diesen mit den unterschiedlichsten Werten gefüttert - vom Geringverdiener der untersten Mittelschicht bis zum Einkommen unserer Bekannten. Dabei kam heraus, dass man vernünftigerweise CDU wählen sollte. Zwar liegt beim Thema »Mehr Netto vom Brutto« die Linkspartei durchweg vor der Union, aber bei fast allen Testdurchläufen schnitt die SPD deutlich schlechter als die Union ab. »Da es nach dem 24. September voraussichtlich entweder wieder zu einer großen Koalition oder zu einer schwarz-gelben Regierung kommen wird und selbst dann, wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass SPD, Linkspartei und Grüne die Regierung bilden werden, kaum zu erwarten ist, dass sich die Linkspartei gegen die anderen beiden Koalitionspartner durchsetzen wird, bleibt uns nur übrig, unser Kreuz bei der CDU zu machen«, schlussfolgerte ich und klappte den Laptop wieder zu. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach!

Da kam die halberwachsene Tochter der beiden ins Zimmer. Die 16-Jährige durchlebt gerade die schönste Phase ihrer Jugend, was sie mit vielen Aufklebern an ihrer Zimmertür und Aufnähern an ihrer Kleidung, die ein A in einem Kreis darstellen, allen mitteilen muss. Unser Gespräch kommentierte sie mit einem spöttischen »Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!«

Immerhin, das Mädel kennt sich aus mit Politik - im Gegensatz zu der zwei Jahren älteren Tochter einer anderen Bekannten von uns, die am 24. September zum ersten Mal wählen darf und schon genau weiß, dass sie auf keinen Fall bei den Grünen ihr Kreuz machen wird. Die seien »die kleine Schwester der CDU«, sagte sie jüngst ihrer Mutter. Außerdem würden die Grünen opportunistisch auf jeden Trend draufhüpfen. »Jetzt machen die sogar auf Umweltschutz. Da kann man ja gleich CDU wählen!«

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