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Berlin: Zu wenige Wagen und zu viele Signalstörungen

S-Bahn bleibt im Krisenmodus / Unternehmen prüft Weiterbetrieb von Altbauzügen bis 2030 für mehr Kapazität

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Und täglich grüßt die Störung. Am Dienstagmorgen kamen wieder tausende Pendler zu spät zur Arbeit. Eine Stellwerksstörung zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof brachte den Verkehr auf den S-Bahnlinien S3, S5, S7 und S75 teilweise zum Erliegen. Dabei glaubte S-Bahnchef Peter Buchner noch am Montag, dass zumindest dieser Problempunkt vorerst abgehakt sei. Über Wochen gab es nach der Wiedereröffnung der Strecke zwischen Lichtenberg und Ostbahnhof große Probleme. »Das Zusammenspiel zwischen alter und neuer Leittechnik ist immer schwierig«, sagt Buchner. Am Ostbahnhof und in Lichtenberg sind solche Schnittstellen von Alt und Neu.

Nicht nur die Signal- und Weichentechnik, für die Deutsche-Bahn-Konzerntochter DB Netz zuständig ist, bleibt ein Dauerbrenner. Auch der Wagenpark bereitet der S-Bahn Kummer. Am Montag waren nur 533 aus jeweils zwei Wagen bestehende Viertelzüge verfügbar. Das klingt zunächst gut, schließlich werden für den fahrplanmäßigen Betrieb 535 Viertelzüge benötigt. »Allerdings wären tatsächlich 562 Viertelzüge nötig«, erklärt Buchner. »Denn es sind immer Züge durch Betriebsfahrten im Netz gebunden.« Die Folge: Bestellte Verstärkerfahrten im Berufsverkehr auf S1 und S5 fallen bis mindestens Ende Oktober aus.

Grund ist der planmäßige Achsentausch bei den Wagen der zwischen 1996 und 2004 gefertigten Baureihe 481, wegen ihrer charakteristischen Frontscheibe bei Enthusiasten auch »Taucherbrille« genannt. »Einerseits hat uns der Hersteller der Achsen hängengelassen und nicht rechtzeitig geliefert«, sagt Buchner. »Dann war auch noch das Vergabeverfahren für nötige Anbauteile so schwierig, dass es viel später fertig wurde als geplant«, so der S-Bahn-Chef weiter. Die Verzögerungen waren in der Summe viel größer, als man sich im Unternehmen hatte vorstellen können. Dazu kommen noch Alterserscheinungen auch an diesem jüngsten Fahrzeugtyp. »Der Kleber der Frontscheibe wird brüchig. Wenn wir das feststellen, muss der Wagen sofort aus dem Betrieb genommen werden«, so Buchner. Die Neuverklebung sei eine »langwierige Angelegenheit«, die mit viel Fummelei verbunden sei.

Eine Sache läuft - zumindest bisher - planmäßig bei der S-Bahn: Die Entwicklung der neuen Baureihe 483/484, die erstmals an Neujahr 2021 auf der S47 zwischen Spindlersfeld und Hermannstraße eingesetzt werden soll. Im Herbst soll der erste Rohbauwagenkasten aus Ungarn im Pankower Stadler-Werk eintreffen, im Laufe des Jahres 2018 der erste rollfähige Zug fertig sein. Ab 2019 sind zwei Jahre lang ausgiebige Erprobungsfahrten angesetzt. Nach und nach soll die insgesamt 382 Wagen umfassende Bestellung den Verkehr auf den Ringbahnlinien übernehmen. Längere Züge und ein ganztägiger 5-Minutentakt auf S41 und S42 sind dann endlich möglich.

Auch die Ertüchtigung der Altbaureihen schreitet voran. Die noch in der DDR entwickelten Züge des Typs 485 werden für fast 400 000 Euro pro Viertelzug fit gemacht für einen Einsatz bis 2023. Dabei geht es um viele Kleinigkeiten wie den Tausch brüchiger Gummielemente oder die Reparatur von Drehgestellrahmen.

Rund eine Million Euro pro Zwei-Wagen-Einheit fließt in die einst von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) entwickelte Baureihe 480. Ursprünglich sollte deren Leben auch nur bis 2023 verlängert werden. »Wir werden noch einmal intensiv prüfen, ob der Einbau der neuen Signaltechnik ZBS möglich ist«, sagt nun S-Bahnchef Buchner. Angesichts der wachsenden Stadt will der Senat auch auf den Nord-Süd-Strecken und der Stadtbahn mehr Kapazität. Ein niedriger sechsstelliger Betrag müsste für jeden der 70 Viertelzüge investiert werden, damit ein Einsatz bis etwa 2030 möglich wäre.

»Es ist endlich beim Senat angekommen, dass etwas geschehen muss«, freut sich Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. »In spätestens zehn Jahren müsste auch auf allen Außenstrecken, wie nach Strausberg oder Bernau, ein 10-Minuten-Takt angeboten werden«, fordert er. »Am liebsten wären uns natürlich Neufahrzeuge«, so Wieseke.

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