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Tourismus soll vor Staatspleite schützen

Saudi-Arabien plant die Errichtung eines Urlaubsgebiets, um seine Wirtschaft anzukurbeln

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 4 Min.

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Sand, Sand, Sand. Straße. Meer. Mehr Sand. Ein Straßenschild: Riad links ab; Mekka immer geradeaus. Über weite Strecken menschenleer, heiß und öde ist die saudische Küstenregion am Roten Meer; die Tourismusströme, die den Badeorten in Ägypten, in Israel, und in begrenztem Umfang auch in Jordanien Jahr für Jahr gute Geschäfte bescheren, fließen an Saudi-Arabien vollständig vorbei. Denn es mangelt an Infrastruktur, und ganz ehrlich: Spaß, Urlaubsfreude sind ungefähr das Letzte, mit dem man das erzkonservative Königreich, in dem, unter anderem, Frauen kein Auto fahren dürfen, Alkohol und Diskotheken verboten sind, in Verbindung bringen würde.

Doch das soll sich, zumindest für Ausländer, demnächst ändern. Aus einer weitgehend unberührten Lagune aus 80 Inseln zwischen den Ortschaften Al Wadschh und Umludsch soll auf einer Fläche der halben Größe von Belgien ein Tourismusgebiet werden: Schon im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten an Luxushotels, Bahnstrecken, künstlichen Oasen mit eingebautem Vergnügungspark beginnen; ab 2022 sollen hier die ersten Touristen Urlaub machen.

Dafür hat die saudische Regierung das Gebiet schon jetzt auf dem Papier zu einer semi-autonomen Zone erklärt, in der, heißt es in einer Mitteilung aus Riad, »Gesetze nach internationalem Standard« gelten sollen. Visa soll es entweder online oder am Flughafen geben; es soll freizügiger zugehen dürfen, als im Rest des Landes.

Vom normalen Leben in Saudi-Arabien werden die Reisenden indes maximal wenig mitbekommen. Denn sicher ist ebenfalls schon jetzt: Ausflüge ins Landesinnere werden streng reglementiert sein. Wer von der Urlaubszone aus andere Städte besuchen wolle, müsse zuvor ein Visum beantragen, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. Und Touristenvisa sind teuer, und schwer zu bekommen.

Es ist ungewöhnlich, dass die sonst eher im stillen Kämmerlein werkelnde saudische Regierung Pläne für ein Projekt frühzeitig und umfassend der Öffentlichkeit vorstellt. Der Grund für dieses Vorgehen: Man will wissen, wie die Bevölkerung auf die Aussicht westlicher Urlaubsfreuden mitten im Land reagiert, sie darauf vorbereiten. Man müsse den Tourismus »in Einklang mit unseren Werten« bringen, so der Sprecher des Innenministeriums.

Denn die saudische Öffentlichkeit ist gespalten. Streng konservative Kräfte, die jede Lockerung der strengen, religiös legitimierten Vorschriften ablehnen, sind extrem einflussreich. Dem entgegen steht eine große Zahl an jungen Saudis, die Jahr für Jahr Urlaub in Ägypten oder im Libanon machen, samt Alkohol und nackter Haut.

Dass man nun die eigene Zurückhaltung gegenüber dem internationalen Tourismus aufgibt, hat finanzielle Gründe. Man braucht dringend neue Einnahmequellen. Wie groß die Ölreserven noch sind, ist Staatsgeheimnis. Sicher ist, dass irgendwann Schluss sein wird. Gleichzeitig hat Saudi-Arabien nach dem Atomdeal zwischen dem Westen und dem Iran die Ölförderung erhöht, den Ölpreis gedrückt, um die wirtschaftliche Entwicklung des Erzfeindes zu behindern. Das Ergebnis war, dass Saudi-Arabien zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Haushaltsdefizit auswies.

Zudem ist zuletzt die Zahl der Mekka-Pilger gesunken, die eine weitere wichtige Einnahmequelle darstellen. Seit 2012 gingen die Umsätze um rund 3,5 Milliarden US-Dollar im Jahr zurück. Schuld daran sind vor allem hohe Kosten.

An die 500 US-Dollar kostet das Visum, unabhängig vom Herkunftsland. Hinzu kommen Hotel- und Flugkosten, die nach Angaben des saudischen Innenministeriums im Schnitt 6600 US-Dollar erreichen. Der saudische Staat und einheimische Unternehmen machen damit Jahr für Jahr ein Milliardengeschäft. Doch in vielen muslimischen Ländern herrschen Krieg und Wirtschaftskrisen; viele können oder wollen sich enormen Ausgaben nicht leisten.

Bei Treffen von Regierungen der Islamischen Welt sind die hohen Kosten regelmäßig ein Thema; Saudi-Arabien müsse als Hüterin der beiden heiligsten Stätten des Islams allen Gläubigen ungehinderten, und damit eben auch kostengünstigen Zugang garantieren, wird dabei stets gefordert - ergebnislos. Doch die saudische Regierung weist die Kritik stets weit von sich: Die Infrastruktur für die bis zu zwei Millionen in- und ausländischen Pilger, die Jahr für Jahr innerhalb kürzester Zeit in Mekka zusammen kommen, sei kompliziert und teuer.

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