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Mehrheit gegen Mehrheit

Tom Strohschneider über den Wunsch nach Gerechtigkeit und Wahlergebnisse

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: 1 Min.

Wieder zeigt eine Umfrage: Eine Mehrheit hierzulande wünscht sich eine Erhöhung der Sozialausgaben, mehr Umverteilung. Die Zahlen sind so deutlich wie die Realität nicht mithalten kann - sonst würde niemand »mehr« Gerechtigkeit fordern müssen. Dennoch sind politische Mehrheiten für einen echten Kurswechsel nicht in Sicht. Wenn der Sozialverbandschef Ulrich Schneider dennoch keine Diskrepanz zwischen beiden Trends sehen will, hat das vielleicht mit Zweckoptimismus zu tun. Oder es ist Pfeifen im dunklen Walde. Denn es steckt ein größeres Problem dahinter.

Wer eine wirklich sozialere Politik möchte, die Menschen aus einer Unsicherheit ihr Leben betreffend befreit, der muss zur Kenntnis nehmen, dass dafür gravierende Veränderungen nötig sind, auf welche dieselben Menschen wiederum verunsichert reagieren. So groß der Unmut über die real existierenden Verteilungsverhältnisse ist, so gering verankert ist noch die Überzeugung, dass drastische Umverteilung ohne negative Folgen möglich sind. Die »andere Seite« hat mit Angstszenarien vom »scheuen Reh Kapital« ganze Arbeit geleistet. Dem eine neue Erzählung entgegenzusetzen, eine der Veränderung - ist noch nicht gelungen. Jedenfalls nicht in einem Maße, das zwischen Umfragen über den Wunsch nach anderer Politik und dem Wahlverhalten nicht weiter eine so große Lücke klafft.

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