Werbung

Krux mit Kreuz

Personalie

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Als Pornodarsteller und Satanist wird Lars Eidinger in Russland diffamiert. Was hat der 1976 in Westberlin geborene Sohn einer Kinderkrankenschwester und eines Ingenieurs, der an der Ostberliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« studierte, getan, um diesen Hass zu ernten? Der eng mit der Berliner Schaubühne verbundene Darsteller, der in Stücken von Shakespeare und Schiller brillierte, mimt jetzt Nikolaus II. - in einem Film des russischen Regisseurs Alexej Utschitel. Der ist noch ärger dran als Eidinger, erlitt bereits einen Anschlag mit einem Molotowcocktail, erfährt aber auch Solidarität von Landsleuten und Kollegen, die vor Zensur warnen.

Was ist der Stein des Anstoßes? Die Krux mit dem Kreuz. Der Film »Matilda«, der bereits im Frühjahr in russischen Kinos laufen sollte, mit dem sich jedoch auf Grund von Protesten erst einmal die Staatsanwaltschaft beschäftigen musste, verletzt angeblich religiöse Gefühle. Der vom Kulturministerium freigegebene Streifen erzählt von der Affäre des letzten Zaren mit der Ballerina Matilda Kschessinskaja. In einer Szene verrutscht ein Träger der Tänzerin auf der Bühne und entblößt deren linke Brust, woraufhin dem in der Loge sitzenden Zarewitsch (der 1894 den Thron besteigt) die Kinnlade runter klappt.

Nachdem auch Kinobetreiber anonyme Drohungen erhielten, ihre Häuser würden brennen, wollen die zwei größten Lichtspielketten, Cinema Park und Formula Kino, »Matilda« nicht aufführen. Eine Kapitulation vor der mächtigen Russisch-Orthodoxen Kirche, die heute wieder etwa 150 Millionen Gläubige zählt und unermesslich reich ist, seit der Rückgabe ihrer von den Bolschewiki enteigneten Güter nach 2010. Zehn Jahre zuvor sprach sie Nikolaus II. heilig. Einen Tyrannen, dem das Elend des Volkes egal war, der seine Ochrana (Geheimpolizei) auf alle Andersdenkende hetzte und den Petersburger Blutsonntag von 1905 befahl.

Bleibt die Frage, was Utschitel (dt. Lehrer) mit seinem Film über den Zaren lehren will. Eidinger versicherte in einem Interview, dass er sich »diesem Charakter mit großem Respekt annähert«.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen