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Mehr als eine Lohnrunde

Metaller wollen 2018 Recht auf befristete Arbeitszeitverkürzung durchsetzen

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn zum kommenden Jahreswechsel die Friedenspflicht für die Metall- und Elektroindustrie (M+E) ausläuft, dann könnten schon im Januar 2018 in dieser Schlüsselbranche die Zeichen auf (Warn-)Streik stehen. Eine erste Weichenstellung für eine neue Tarifbewegung, die über eine reine Lohnrunde hinausgeht, nahm die IG Metall am Donnerstag bei Sitzungen ihrer regionalen Tarifkommissionen vor.

So fordern die Metaller im Bezirk Niedersachsen/ Sachsen-Anhalt ein Lohnplus zwischen 6,5 und sieben Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, freie Tage zur Prüfungsvorbereitung für Auszubildende sowie die Wahlmöglichkeit zur befristeten Arbeitszeitverkürzung. Auch für Baden-Württemberg, das seit Jahrzehnten immer wieder als »Pilotbezirk« für die M+E-Tarifrunden fungiert, empfiehlt die regionale Tarifkommission der Gewerkschaft ein Forderungspaket mit mehreren Elementen. So sollen Löhne und Gehälter für die rund 900 000 Beschäftigten um sechs Prozent steigen. Darüber hinaus sprach sich das Gremium ebenfalls für einen individuellen Anspruch auf befristete Arbeitszeitverkürzung aus. Damit sollen Beschäftigte auf Antrag für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren statt regulär 35 Stunden nur noch 28 Stunden in der Woche arbeiten können.

Dies kommt dem weit verbreiteten Wunsch entgegen, in verschiedenen Lebensphasen mehr Zeit etwa für Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen oder berufliche Fort- und Weiterbildung zu bekommen, ohne den Vollzeitjob zu gefährden. Es ist auch Ausfluss einer großen Beschäftigtenbefragung vom Frühjahr 2017, bei der sich überraschend viele Teilnehmer für mehr Zeitsouveränität durch vorübergehende Arbeitszeitverkürzung mit Rückkehrrecht zur tarifvertraglichen 35-Stunden-Woche ausgesprochen hatten. »Schichtarbeit, Wochenendarbeit und ständige Verfügbarkeit nehmen zu. Viele arbeiten länger als 35 Stunden. Mit dem Anspruch auf eine kurze Vollzeit wollen wir ihrem Wunsch Rechnung tragen, die Arbeitszeit für eine gewisse Zeit abzusenken«, so IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger.

Ein weiteres Element des Vorschlagspakets ist ein finanzieller Zuschuss, mit dem für bestimmte Beschäftigtengruppen ein Lohnverlust für die Dauer der individuellen Arbeitszeitverkürzung zumindest teilweise ausgeglichen werden soll. Diese Regelung soll vor allem dann greifen, wenn die Betroffenen ihre Zeit für Kinderbetreuung oder die Pflege von Verwandten einsetzen und im Berufsalltag etwa als Schichtarbeiter besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Über die genaue Höhe dieses Zuschusses wird nun innergewerkschaftlich debattiert.

Zitzelsberger verwies auf eine anhaltend gute Auftragslage der meisten Betriebe in der Branche und positive Wachstumsprognosen für 2018. Die Empfehlungen der Tarifkommissionen sollen jetzt in Betrieben und Untergliederungen der IG Metall diskutiert werden. Am 10. Oktober wird der IG Metall-Vorstand seine Forderungsempfehlung abgeben. Zwei Wochen später sollen die Tarifkommissionen das Forderungspaket beschließen. Am 26. Oktober will der IG Metall-Vorstand die endgültige Linie festlegen.

Dass die IG Metall auch in Handwerksbetrieben Fuß fassen und Arbeitskämpfe zustande bringen kann, zeigte am Donnerstag ein ganztägiger Warnstreik gegen drohende Tarifflucht, der den Reparaturbetrieb bei der Wiesbadener Firma Taunus Auto lähmte. In der Mercedes-Großwerkstatt folgten rund 60 Arbeiter dem Aufruf der IG Metall zur ganztägigen Arbeitsniederlegung. Hintergrund des Ausstands ist die Ankündigung der hessischen Landesinnung für das Kfz-Handwerk, mit der IG Metall künftig keine Tarifverträge mehr auszuhandeln. »Hier werden Premium-Autos verkauft und gewartet, hier wird richtig Geld verdient. Doch für die Belegschaft will die Geschäftsleitung keine Tarife mit guten Standards«, kritisierte der Wiesbadener IG Metall-Bevollmächtigte Axel Gerntke.

Die Streikenden machten in einem Autokorso durch die Wiesbadener Innenstadt auf ihr Anliegen aufmerksam und versammelten sich im Streiklokal zu einer »Streikuniversität«. Dabei schilderte Jürgen Ulber, Ex-Ressortleiter beim IG Metall-Vorstand, in einem Streifzug durch mehr als 150 Jahre Geschichte der Arbeiterbewegung Erfolge, Niederlagen und Lehren großer Arbeitskämpfe.

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