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Antreten zum Demokratieappell!

Überall wird wieder herumgeonkelt, man müsse jetzt zeigen, wie geil man die Demokratie findet - aber muss man dafür wählen?

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nicht vergessen, bald ist Bundestagswahl! Ihr müsst dafür sorgen, dass! Es ist wichtig, dass! Jetzt gilt es noch mal, allen so richtig auf die Senkel zu gehen. Überall wird wieder herumgeonkelt, man stünde doch in der Verpflichtung, jetzt zu zeigen, wie geil man die Demokratie findet. Nicht nur von Plakaten geiert es: »Wähle mich!«, von überallher wird moralisiert, dass man doch Schuld am Untergang Deutschlands, ach was, der Zivilisation sei, wenn man nicht wählen gehe.

Kritik an Zuständen, das Gefühl, dass keine Partei auf dem Wahlzettel ein Kreuz verdiene oder einfach Unverständnis für politische Inhalte - das empfinden die Wahlfans als Beschwerde, bekloppte Anarchie, extremistischen Unsinn. Komisch, wo doch jeder Berechtigte genauestens Bescheid wissen kann über Parteiprogramme, die stehen ja schließlich im Internet. Und wer Bescheid weiß, kann auch wählen. Sonst ist er offenbar zu blöde zum Lesen. Kein Widerspruch wird gelten gelassen. Super ist auch der Tipp, die Stimme doch wenigstens ungültig zu machen.

Von einer Wahlverpflichtung wird im Zuge dieser Feststellung genau so fantasiert, wie davon, bestimmte Gruppen von der Wahl fernzuhalten. Bei der US-Wahl waren es die alten, weißen Männer, hier in Deutschland sind es selbstverständlich die potenziellen AfD-Wähler. Denn, und so sollte man auch als Wahlaufrufer munkeln, diese könnten sich von den Appellen ebenso angesprochen wie alle anderen fühlen, vielleicht sogar noch etwas mehr. Schließlich dürfen die ihre Meinung gegen den politisch korrekten Mainstream nur aller vier Jahre zu Papier bringen und werden sonst von Lügen und Manipulationen unterjocht. Aber: »Jetzt gilt’s!«

Es ist also nicht nur blöd, nicht zu wählen, sondern auch das Falsche. Sich gegen die AfD zu positionieren, ist recht einfach, oft zu vernehmen und grundsätzlich richtig. Man könnte sich aber auch gegen Antisemiten, Rassisten und Misogyne distanzieren, wenn man es denn mit dem Kampf dagegen ernst meint - blöd nur, dass dann nicht mehr allzu viel auf dem Zettel übrig bliebe. Dann lieber griffig, dann lieber Campinomäßig gegen einen klaren Feind. Das lässt sich besser in knackige Slogans, Videobotschaften oder gar Songs überführen.

Und Feinde gibt es auch da, wo man sie gar nicht erwartet. Von allen Seiten her sehen Demokraten dieser Tage ihre Felle davon schwimmen. Selbst da, wo Menschen den Anschein machen, die Partei Die PARTEI wählen zu wollen. Auch die sei, es geht keine Nummer kleiner, eine Gefahr für die Demokratie, weil sie ja nur Spaß mache. Spätestens an dem Punkt wird deutlich, dass es sich beim Appellieren vor allem um ein paternalistisches Rumtätscheln auf Demokratiebirnen handelt, das für nichts kämpft außer sich selbst. Leute, traut euch. Geht nicht wählen! Oder doch! Nur was, weiß ich auch nicht.

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