Verstimmung im Frankfurter Rathausbündnis

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund verwirrt mit Preissenkungen und -erhöhungen

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Dass die Tarife für öffentliche Verkehrsmittel im Rhein-Main-Gebiet bundesweit mit an der Spitze rangieren, ist vielen Berufspendlern und auch Fahrgästen, die nur sporadisch Busse und Bahnen nutzen, seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Jetzt sendet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) widersprüchliche Signale aus: Die Fahrpreise sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember in einigen Bereichen gesenkt und an anderer Stelle weiter angehoben werden.

So beschloss der RMV-Aufsichtsrat für die kommenden drei Jahre eine Deckelung der Preissteigerungen für Zeitkarten auf maximal 1,5 Prozent pro Jahr. Für Berufstätige mit niedrigen Einkommen, die sich kein Auto leisten können, ist diese Verteuerung kein Grund zur Freude. Wenn der RMV-Aufsichtsratsvorsitzende und Oberbürgermeister von Frankfurt am Main Peter Feldmann (SPD) von einem »guten Argument zum Umstieg in Busse und Bahnen« spricht, dann dürfte er zumindest diese Personengruppe nicht im Blick haben. Feldmann hält sich allerdings eine Preissenkung an anderer Stelle zugute. So werden in der Bankenmetropole ebenso wie in den zu einer Tarifzone zusammengeschlossenen Landeshauptstädten Wiesbaden und Mainz die Preise für Tageskarten innerhalb der Stadtgrenzen deutlich sinken.

Ein Ticket für beliebig viele Fahrten von morgens bis nach Mitternacht wird in Frankfurt statt 7,20 dann 5,35 Euro kosten. In Mainz und Wiesbaden sinkt der Preis von 6,70 auf 5,35 Euro. Damit müssen Fahrgäste künftig für eine Tageskarte nicht mehr als den Preis für zwei Einzelfahrscheine bezahlen. In Frankfurt wird zusätzlich der Einzelfahrschein für Erwachsene statt bisher 2,90 Euro nur noch 2,75 Euro kosten. Zusätzlich bietet die Mainmetropole ein Seniorenticket an, das erst ab 9 Uhr gültig ist und pro Jahr 550 Euro kosten soll. Dafür entfällt aber die bisherige »Mitnahmeregelung« für eine Begleitperson.

Mit dem Aufsichtsratsbeschluss hatte Feldmann eine Verstimmung im Frankfurter Rathausbündnis aus SPD, CDU und Grünen ausgelöst. Die örtliche CDU trägt die Preissenkungen nicht mit und verweist darauf, dass die Stadt die Tarifsenkungen mit bis zu rund drei Millionen Euro pro Jahr finanzieren müsse. Feldmann geht davon aus, dass die Vergünstigung zum finanziellen Selbstläufer werde, weil sie mehr zusätzliche Fahrgäste anlocken werde. »Über die Tarife entscheidet nicht die Frankfurter CDU-Fraktion«, kanzelte der Rathauschef die Christdemokraten ab. Feldmann tritt bei der Oberbürgermeisterwahl im Februar 2018 wieder an.

Auf die partiellen Preissenkungen gab es ein unterschiedliches Echo. Während sich bei Facebook Gelegenheitsnutzer von Frankfurter Verkehrsmitteln über die Preissenkung für Tagestickets freuen, klingt bei anderen Kritik an hohen Zeitkartentarifen, Tarifdschungel und fehlendem Gesamtkonzept an. »So teuer obwohl so viel weniger geboten wird als in Hamburg und Berlin«, so eine Facebook-Nutzerin. »Die Wiener gestalten mit Jahreskasten von 360 Euro ihren ÖPNV für alle Bürger kostengünstig« und »Eine Tageskarte für Frankfurt kostet 5,35 Euro, für Darmstadt aber 6,15 Euro«, so ein weiterer Eintrag.

Kritik äußerte auch die oppositionelle Linksfraktion im Frankfurter Rathaus. Mit Feldmanns »Stückwerk« allein sei ein massenhafter Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel nicht zu schaffen, kritisierte der Stadtverordnete Martin Kliehm und gab zu bedenken, dass der Autoverkehr nach wie vor viele Todesfälle durch Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen auslöse. Für eine Verkehrswende seien ein massiver Ausbau und spürbare Preissenkungen nötig, so Kliehm, der die SPD daran erinnerte, »dass es für dieses Anliegen im Römer eine linke Mehrheit gibt«.

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