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  • Berlin
  • Streiks in Krankenhäusern

Klinikmanagement testet Belegschaft

In der Charité soll die ganze Woche gestreikt werden / Management weigert sich, Patienten zu verlegen

  • Von Jan Schroeder
  • Lesedauer: 3 Min.

Stell dir vor im Krankenhaus wird gestreikt und die Patienten bleiben einfach auf den Stationen. Genau das ist am Dienstag in der Charité passiert. »Die Kollegen sind sehr angespannt«, sagt Arnim Thomaß von der Streikleitung. Er ist Mitglied des Gesamtpersonalrats der Berliner Universitätskliniken.

Die Streikleitung hatte die Klinikleitung bereits am Dienstag vergangener Woche aufgefordert, Patienten zu verlegen. Keine Reaktion. Die Streikenden fordern eine Notdienstverordnung, die gewährleisten soll, dass Notfälle weiter behandelt werden können, gleichzeitig aber auch Betten für den Streik geräumt werden. Keine Reaktion. »Das Management tut so, als wäre der Streik nicht angekündigt worden, kümmert sich nicht um seine Patienten und belastet die Kollegen, die sich entschieden haben weiterzuarbeiten, doppelt«, sagt Thomaß.

Wenn gestreikt wird, können weniger Patienten behandelt werden. Die Leitung müsste für entsprechende Verlegungen sorgen. In der Konsequenz mindert das die Fallpauschalen, also den Umsatz. Stattdessen scheint das Management nach Ansicht der Streikenden eher entschlossen, den Betrieb mit noch weniger Personal als sonst fortzusetzen.

Die Klinikleitung wende alle möglichen Methoden an, um die Beschäftigten zum arbeiten zu bringen, so Thomaß. »Manche versucht man kollegial zu überreden, andere schüchtert man ein oder desinformiert und sagt, dass sie nur mit Zustimmung der Stationsleitung streiken dürften«, sagt er.

»Die ganzen Jahre über war es egal, wenn unterbesetzt gearbeitet und so Patienten gefährdet wurden, nur jetzt, wenn gestreikt wird, sorgt man sich plötzlich«, sagt Daniela Dittner von der ver.di Tarifkommission. Auf ihrer Station muss die Stationsleitung während des Streiks einspringen und zu zweit alle Patienten versorgen. Regulär liegen dort 39 Menschen.

Eine Situation, die Dittner nach eigener Aussage schon oft bewältigen musste, nur dass sich diesmal die Leitung über die Unterbesetzung beschwert. »Die Stationsleitung hat heute schon mehrfach bei uns angerufen und gesagt, dass die Versorgung mit zwei Leuten unmöglich zu machen ist, obwohl sie genau das immer von uns gefordert haben«, sagt Dittner. Sie arbeitet seit 24 Jahren am Virchow-Klinikum der Charité. »Das Management will den Streik verhindern und uns testen«, sagt Dittner.

Stephan Gummert, der ebenfalls Mitglied der Streikleitung ist, findet es absurd, dass die Schuld für die mangelnde Versorgung der Patienten den Beschäftigten in die Schuhe geschoben werde, »obwohl die ja gerade gegen den Pflegenotstand streiken«. Er unterstreicht: »Wir haben ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein und sind auch während des Streiks auf dem Klinikgelände und bei Notfällen sofort bereit, auszuhelfen.«

Laut der Gewerkschaft ver.di hat der Streik schon jetzt dazu geführt, dass sich weitere Beschäftigte gewerkschaftlich organisieren. Dittner weist jedoch auch darauf hin, dass viele Mitarbeiter skeptisch seien und nicht streikten, weil ihnen nicht klar ist, ob der Streik wirklich etwas verändern kann.

Der letzte kleine Streikerfolg sei schon Jahre her, sagt Dittner. Und inzwischen habe sich die Situation für die Beschäftigten weiter verschlimmert. »Wir haben uns die Möglichkeit erkämpft, Überlastungsklagen bei der Klinikleitung zu stellen, aber das Mittel ist ineffektiv. Es führt sogar dazu, dass Kollegen, die sich wegen Überlastung beschweren, vor die Klinikleitung zitiert werden«, sagt die Krankenschwester Ingrid Schalipp.

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