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David Lappartient ist neuer Präsident des Radsport-Weltverbandes

Wird durch den Franzosen der Einfluss der Tour-de-France-Organisation ASO auf die UCI nun noch größer?

  • Von Ruben Stark, Bergen
  • Lesedauer: 3 Min.

Brian Cookson schlich gedemütigt aus dem Konferenzsaal des Tagungshotels im historischen Hanseviertel von Bergen, nachdem ihn der Franzose David Lappartient regelrecht vom UCI-Thron gefegt hatte. Vor allem in der Deutlichkeit überraschend wurde Cookson am Rande der Straßenrad-WM in Norwegen entmachtet, der Radsportweltverband ist nun in französischer Hand.

Für die UCI beginnt wieder eine neue Zeitrechnung, nachdem Cookson für sein Wirken in der vierjährigen Amtsperiode breite Ablehnung erfahren hat. 37 Stimmen erhielt Lappartient von den 45 Wahldelegierten, acht votierten für den 66-jährigen Briten - eine krachende Niederlage.

»Es ist eine Ehre, ich bin sehr dankbar«, sagte der 44 Jahre alte bisherige Vorsitzende der europäischen Radsport-Union UEC: »Das war kein Fotofinish, die Botschaft ist klar und deutlich.« Im Vorfeld war es Lappartient nicht zugetraut worden, eine zweite Amtszeit Cooksons zu verhindern. Überdies gab sich der bisherige UCI-Chef siegessicher, aber unterschätzte offenbar den Einfluss seines Herausforderers. Am Mittwochabend mehrten sich in Bergen die Anzeichen, dass es knapp würde.

»Ich bin äußerst enttäuscht, aber stolz auf das Erreichte«, sagte Cookson nach seiner Abwahl. Der Radsport stehe in einem ganz anderem Licht da als zu Beginn seiner Präsidentschaft, ergänzte er: »Ich gratuliere David Lappartient und hoffe, dass er den Radsport in die richtige Richtung weiterentwickelt.«

Cookson hatte die UCI-Präsidentschaft im Jahr 2013 vom skandalumtosten Iren Pat McQuaid übernommen. Der frühere Chef des britischen Verbandes hatte sich die Verbesserung des damals schwer ramponierten Images vorgenommen. Zumindest in diesem Punkt durfte Cookson gewisse Erfolge vorweisen, auch wenn er etwa nie alle Restzweifel an der Unabhängigkeit der Anti-Doping-Agentur des Weltverbandes ausräumen konnte.

Auch sonst erntete Cookson viel Kritik, etwa von deutschen Radprofis wie Tony Martin. Er vernachlässige die wichtigen Sicherheitsbelange im Straßenradsport, war ein Vorwurf. Die World Tour, die erste Liga im Radsport sei zudem ein undurchsichtiges Chaos. Niemand könne die Rennserie mehr nachvollziehen.

Auch in seiner Bewerbungsrede ging es Cookson eher um die Globalisierung des Radsports und fundamentale Breitensportaspekte als um das Aushängeschild des Verbandes. Eben das kritisierte Lappartient, der zudem die UCI-Bemühungen im Aufspüren des Motordopings als unzureichend tadelte. Der frühere Chef des französischen Verbandes versprach, die Anstrengungen auf der Jagd nach Dopern zu intensivieren, und sagte auch der Korruption den Kampf an.

Mit seiner frischen und jovialen Art wirkt der Lappartient überzeugender. Ein Aspekt allerdings wird auch bei Lappartient genau zu beobachten sein: Sind die Gerüchte über eine ungesunde Nähe zum mächtigen französischen Tourveranstalter ASO nur konstruiert - oder erhärten sie sich in Zukunft? »Ich habe ein gutes Verhältnis, aber keine Verbindung zur ASO«, betont der neue UCI-Boss. Lappartient ist der der erste Franzose an der Spitze des Radsport-Weltverbandes seit Achille Joinard (1947 bis 1957). SID

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