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Vogelsterben nimmt dramatisch zu

Grüne fordern wirksame Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Populationen

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 4 Min.

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»Wir schauen immer nach den großen Arten und freuen uns, dass die Zahl der Seeadler zugenommen hat«, sagte der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne). »Darüber übersehen wir leicht, dass die kleinen Vögel verloren gehen.« Er legte eine beeindruckende Liste von Vogelarten vor, bei denen seit 1995 ein teils deutlicher Rückgang der Population zu beobachten war. Er nannte die Feldlerche, den Wiesenpieper, den Sumpfrohrsänger, den Neuntöter, den Bluthänfling, ja sogar den Feldsperling. Raschke führte die bestürzende Entwicklung auf die »industrialisierte Landwirtschaft« und die Veränderungen im Wasserhaushalt zurück.

Auch die Monokulturen, wie sie im Zusammenhang mit der Energiewende die Felder zu dominieren begannen, trägt nach Auffassung einiger Fachleute zu einem Insektensterben bei, was das Vogelsterben nach sich ziehe, weil es den Vögeln damit an Nahrung fehlt. Binnen weniger Jahre erhöhte sich die Maisanbaufläche von sieben auf 19 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Raschke bedauerte den Rückgang bei den Ackerflächen, die brachliegen. Noch vor zehn Jahren bedeckten sie 14,7 Prozent der Agrarfläche im Bundesland. Der Abgeordnete wies darauf hin, dass die bedrohliche Entwicklung auf den Feldern der Ökobauern nicht nachweisbar sei.

Die Grünen fordern die Aufstockung der Mittel des Kulturlandprogramms für die Förderung von mehr Brachen, Blühstreifen und vielfältige Fruchtfolgen. Ferner verlangen sie, die Prämien für eine Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf Ökolandbau »mindestens auf den Bundesdurchschnitt anzuheben«, sowie eine stärkere Förderung von Hecken, sonstigen Flurgehölzen und Streuobstwiesen.

Die rot-rote Regierung solle im nächsten Landeshaushalt mindestens eine Verdopplung der Mittel des Vertragsnaturschutzes einplanen und eine kostenlose Naturschutzberatung für alle Landnutzer einführen.

Raschke warnte davor, »jeden Hektar bis aufs Letzte auszunutzen, ohne dass Lebensraum für die Vögel bleibt«.

In ihren eigenen Erklärungen zum Thema wiesen Bauernverband und Jagdverband darauf hin, dass die Zerstörung von Vogelbrutstätten vor allem auf das Überhandnehmen von Kleinräubern wie Waschbär, Iltis, Minx und Marderhund zurückzuführen sei. Die Heinz-Sielmann-Stiftung machte darauf aufmerksam, dass durch die Monokultur von Energiepflanzen wie Mais und Raps 80 Prozent der Insekten keine Lebensgrundlage mehr haben. Der Geschäftsführende Vorstand Michael Baier bedauerte, dass viele Vogelarten »auf Nimmerwiedersehen« verschwunden seien, darunter der Kiebitz und viele Bodenbrüter. »Deutschland verstummt, es gibt immer weniger Vögel«, sagte Baier.

Grünen-Fraktionschef Axel Vogel erklärte, auch zu DDR-Zeiten habe es eine industrialisierte Landwirtschaft gegeben, doch sei sie offenbar »weniger intensiv« betrieben worden. Auch der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sei längst nicht im heutigen Umfang erfolgt, »was wohl eine Devisenfrage gewesen ist«. Obwohl die DDR-Landwirtschaft »bei weitem keine Ökolandwirtschaft gewesen« sei, hätten damals Feld- und Wiesenraine bestanden und die Tierwelt habe bessere Bestände aufgewiesen als in der alten Bundesrepublik.

Da nach der Wende die Zahl der Brachflächen stark zunahm, habe sich die Lage zunächst etwas zum Positiven verändert. Inzwischen aber wird wieder nahezu jeder Quadratmeter Nutzflächen beackert.

Leider beschränkt sich der Rückgang nicht auf die Vögel. Trotz gewisser Erfolge beim Schutz und bei der Pflege von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten konnte auch in Brandenburg der zum Teil dramatische Rückgang der Vielfalt nicht aufgehalten werden. Der Feldhamster ist zum seltenen Tier geworden. Das ist einer Bilanz des Umweltministeriums zu entnehmen gewesen. Dennoch seien die Millionen und Abermillionen Euro für den Umweltschutz nicht nutzlos ausgegeben worden, hieß es dazu. So habe der Aufwand zum Erhalt der Großtrappe sich gelohnt, inzwischen gibt es mit 140 Exemplaren wieder so viele wie vor der Wende.

Viele einst geschützte Tierarten haben sich soweit wieder erholt, dass ihr Schutzstatus auf der Roten Liste der gefährdeten Arten verringert werden konnte. Es leben nun auch wieder 2500 bis 3000 Biber in Brandenburg, wo diese Tierart zwischenzeitlich schon ausgestorben war. Mittlerweile gibt es Konflikte wegen der Biber, die Weideflächen unter Wasser setzen und sich in Deiche hineinarbeiten.

Ebenfalls mit gemischten Gefühlen wird die Rückkehr des Wolfs registriert. Weniger problematisch scheint das gelegentliche Auftauchen des Elchs. Doch bei allen Erfolgsmeldungen gilt es zu beachten: Nur zehn Prozent der Tier- und Pflanzenarten in Brandenburg gelten als wirklich stabil.

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