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Eine Schwäche gegen 99 Stärken

Der diesjährige Alternative Nobelpreis ehrt Kämpferinnen und Journalistinnen für Menschenrechte und Umweltschutz

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

Die diesjährigen Preisträger des sogenannten Alternativen Nobelpreises stehen fest. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm hat sie der Vorsitzende der Right Livelihood Stiftung, Ole von Uexküll, am Dienstag bekanntgegeben. Demnach geht die mit 3 Millionen Kronen (310 000 Euro) dotierte Auszeichnung, die am 1. Dezember in der schwedischen Hauptstadt verliehen wird, zu gleichen Teilen an drei Preisträger aus Indien, Aserbaidschan und Äthiopien.

Der indische Anwalt Colin Gonsalves wird »für seinen unermüdlichen und innovativen Einsatz vor Gericht« geehrt, wo er die grundlegenden Menschenrechte von Indiens am meisten marginalisierten Bürgern kämpfe, würdigte von Uexküll. Er gehöre zu den innovativsten und erfolgreichsten Menschenrechtsanwälten seiner Generation. Mit seinem aus Juristen bestehenden Menschenrechtsnetzwerk HRLN setzt sich der 65-jährige Gonsalves mit Klagen vor Indiens Obersten Gerichtshof für das öffentliche Interesse seines Landes ein.

Dabei kämpft der Anwalt für die teils in sklavenähnlichen Verhältnissen lebende Unterschicht, für ethnische und religiöse Minderheiten sowie für Flüchtlinge und Frauen. 2001 erstritt er vor Indiens Oberstem Gerichtshof die Einführung eines kostenfreien Mittagessens für Schulkinder und die Subventionierung von Getreide für 400 Millionen Inder, die unterhalb der Armutsgrenze leben. »Die Auszeichnung kommt zu einer Zeit, in der Indien durch eine dunkle Zeit geht und Menschenrechtsaktivisten unter Druck gesetzt werden«, kommentierte der Preisträger.

Khadija Ismayilova, 41, aus Aserbaidschan erhält den Preis »für ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit, Korruption auf höchster Regierungsebene durch herausragenden investigativen Journalismus aufzudecken«, so die Stockholmer Jury. Ihre Berichterstattung hat Korruption in der herrschenden Elite Aserbaidschans enthüllt. Die Preisträgerin wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und darf bis heute nicht ausreisen. »Khadija Ismayilova ist eine der mutigsten und fähigsten Journalistinnen ihrer Generation. Trotz Gefängnisstrafe, trotz Drohungen und Schmutzkampagnen lässt sie nicht locker, die Machenschaften der herrschenden Elite ans Licht zu bringen«, sagte von Uexküll. Den Preis will Ismayilova aber nicht für sich verstanden wissen: »Ich nehme die Auszeichnung im Namen aller Journalisten und Verteidiger der Menschenrechte in meinem Land an, die trotz schwierigster Bedingungen unermüdlich weiterarbeiten.«

Die blinde Menschenrechtlerin Yetnebersh Nigussie aus Äthiopien erhält den Preis »für ihre inspirierende Arbeit, die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu stärken und sich für deren Inklusion stark zu machen«, sagte von Uexküll. der 35-Jährigen gelang es, die Wahrnehmung von Behinderten in ihrem eigenen Land und weit darüber hinaus zu verändern, so die Jury. »Konzentriere dich auf den Menschen, nicht auf seine Behinderung. Einer Schwäche stehen 99 Stärken gegenüber«, lautet ihr Motto.

Der nicht dotierte Ehrenpreis der Right Livelihood Stiftung geht in diesem Jahr an den Anwalt und Menschenrechtler Robert Bilott aus den USA. Die Jury ehrt den 52-Jährigen »für die Aufdeckung einer über Jahrzehnte andauernden chemischen Umweltverschmutzung, die Durchsetzung von Entschädigungen für deren Opfer und seinen Einsatz für eine effektivere Regulierung gefährlicher Chemikalien«. In einem 19 Jahre andauernden Rechtsstreit vertrat Bilott 70 000 Anwohner, deren Trinkwasser durch den Chemiegiganten DuPont mit Perfluoroctansäure (PFOA) verseucht worden war. 2013 stellte DuPont die Produktion und Nutzung von PFOA ein.

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