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Lila-goldene Trends und zeitlose Schutzanzüge

Ende Gelände ruft im November zu Protesten gegen die UN-Weltklimakonferenz im Rheinland auf - und liegt damit voll im Trend

  • Von Hannes Lindenberg und Evelyn Linde
  • Lesedauer: 5 Min.

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Die Braunkohleverstromung kann sich im Wintertrend nicht halten. Wer etwas auf sich hält, weiß: Kohle ist einfach nicht mehr en vogue. Voll im Trend hingegen ist seit dem Spätsommer das Climate Justice Movement! Ein must-have bei den Protesten im August waren die lila-schwarz-goldenen Tücher der Aktivist*innen. Das optische Highlight beim massenhaften zivilen Ungehorsam in den Gruben des Rheinlands verwies elegant auf die Bedeutung der Klimagerechtigkeit für den Feminismus. Golden glänzte der Finger zu Arbeiter*innenkämpfen. Postfossile Mobilität durfte bei keiner Diskussion fehlen. Zeitlos bleibt der weiße Schutzanzug, mit dem Aktivist*innen auch im kommenden November genau richtig aussehen werden. Wir haben es geschafft: Internationale Vernetzung und die Auseinandersetzung um Gerechtigkeitsfragen trenden in der Klimabewegung.

Der Klimawandel ist kein Wetterphänomen

Vom 3. bis zum 5. November bewegt sich das Bündnis »Ende Gelände« wieder in Richtung Grube. Der Klimawandel ist kein Wetterphänomen, sondern eine globale Gerechtigkeitskrise. Das erfordert, dass sich der Widerstand nicht nur lokal gegen die Orte der Zerstörung – die Tagebaue und Kohlekraftwerke – richtet. Der sofortige Braunkohleausstieg ist nur ein erster Schritt in Richtung eines guten und gerechten Lebens für alle. Ergänzend müssen Klimabewegte in Europa die Erfahrungen, Perspektiven und Forderungen von Menschen aus dem Globalen Süden, die bereits jetzt unter den Folgen des Klimawandels leiden, einbeziehen. Die über Aktionen gewachsene internationale Vernetzung der Klimagerechtigkeitsbewegung trägt inhaltlich erste Früchte, ist aber noch weit davon entfernt, ihre Themen durchschlagend in »der Mitte der Gesellschaft« unterzubringen. Daher gilt es, an Politik von unten und dem radikalen Protest der vergangenen Jahre festzuhalten.

Das klimapolitische Aktionsbündnis Ende Gelände entstand 2014 im großen Schatten, den die Weltklimakonferenz in Paris voraus warf. Das Bündnis entschied sich dagegen, zu Gipfelprotesten zu mobilisieren. Stattdessen ging es das Problem des Klimawandels an seinen Ursachen an: Es will dort intervenieren, wo Menschen sinnlos mit Treibhausgasen das Klima anheizen. Deshalb organisierte »Ende Gelände« Aktionen des massenhaften zivilen Ungehorsams im Rheinland im August 2015, im Vorfeld des Pariser Gipfels (COP21). Parallel zeigte die europäische Klimabewegung, dass sie sich auch durch den Ausnahmezustand während der COP21 in Paris nicht den Wind aus den Segeln nehmen lässt.

Unter dem Motto »Break free from fossil fuels!« fanden im Mai 2016 weltweit Aktionen statt, die sich gegen den Abbau fossiler Brennstoffe richteten. Auch die Ende-Gelände-Aktion im Lausitzer Braunkohlerevier war Teil davon. Mit Erfolg: Kohleabbau und -transport wurden blockiert, das Kraftwerk musste stark heruntergefahren werden. Menschen aus ganz Europa verließen die Lausitz inspiriert.

Dezentral organisiert fanden daraufhin 2017 eine Vielzahl von Camps und Aktionen in Österreich, Tschechien, den Niederlanden und Großbritannien statt. Und auch in Deutschland gab es im vergangen Monat wieder breiten Protest. Während des Klimacamps im Rheinland wurde eine Menschenkette organisiert. Und »Ende Gelände«, das Bündnis »Kohle erSetzen!« sowie eine Vielzahl von Kleingruppen mit vielen verschiedenen Aktionen störten den Tagebau- und Kraftwerksbetrieb von RWE. Wenngleich weniger Menschen kamen als zuvor in die Lausitz, waren die Aktionstage auf vielen Ebenen ein Erfolg und eine Weiterentwicklung.

Gutes Leben für alle

Der lokale Austausch, beispielsweise mit der Gewerkschaft, sowie der bewegungsinterne Austausch setzte inhaltlich neue Maßstäbe. Mit den Farben lila-schwarz, gold, blau oder rosa wurde bei den Aktionen kreativ untermalt, was der kritische Austausch mit anderen sozialen Bewegungen an Auseinandersetzung vertieft: Was Klimagerechtigkeit nämlich mit Landwirtschaft und Ernährungssouveränität, Mobilität, Geschlechtergerechtigkeit, Dekolonialisierung und vielen weiteren Themen zu tun hat.

Das Ziel ist längst, auch über den Kohleausstieg hinaus den Weg zu einem guten Leben für alle zu gestalten. Es geht nicht mehr nur um den Kohleausstieg, sondern um den »System Change«. An dieser inhaltlichen Debatte beteiligen sich immer mehr Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlicher Motivation. Erfolgreich war außerdem das solidarische Zusammenspiel verschiedener Aktionsformen. Dabei gelang es allen Akteur*innen in einer durch den G20-Gipfel medial und innenpolitisch stark angeheizten Diskurslage, den bewussten Rechtsbruch als legitime Form der politischen Meinungsäußerung darzustellen – ob in der Kleingruppe oder in der Massenaktion.

November: Gegen die UN-Klimakonferenz

Im November, werden Aktivist*innen aus aller Welt gegen die UN-Weltklimakonferenz (COP 23) unter Leitung der Delegation aus Fidschi in Bonn protestieren. »Ende Gelände« plant, direkt vor der Haustür der Konferenz einen Braunkohletagebau zu blockieren. Damit zeigen wir im rheinischen Revier auf, wo Deutschland klimapolitisch zu verankern ist: tief im Zeitalter der fossilen Industrien. Dazu werden Gruppierungen aus der ganzen Welt erwartet, wie die »Pacific Climate Warriors«. Die Klimakämpfer*innen wollen mit ihren Aktionen die Inseln im Pazifischen Ozean vor dem Klimawandel schützen – ihr Motto: »We are not drowning. We are fighting«. Es wird aber auch eine »Conference of Youth« stattfinden, der »People’s Climate Summit«, sowie die Demonstration »Klima schützen - Kohle stoppen!«.

Von Buir (Rheinland) bis Suva (Fidschi) wird der Kampf gegen Umwelt- und Klimazerstörung, die nur dem Profit weniger dient, gemeinsam geführt. Deutschland trägt für die Klimagerechtigkeit jedoch eine historische Verantwortung, da es maßgeblich an der Klimaerhitzung mitarbeitete. Die Folgen des Klimawandels sind jedoch ungerecht verteilt. Das fadenscheinige grüne Mäntelchen, mit dem sich Politik und Industrie in Deutschland gerne schmücken, wird der Bundesrepublik Anfang November von kreativem und entschlossenem Protest ausgezogen.

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