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»... mit großem Unheil für das Volk«

Die Antikriegsklage des Erasmus von Rotterdam ist auch nach 500 Jahren aktuell wie eh und je

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Erasmus von Rotterdam sei, so Stefan Zweig, »unter allen Schreibenden und Schaffenden des Abendlandes der erste streitbare Friedensfreund« gewesen. Seine »Klage des Friedens« (Querela pacis) wurde geschrieben für einen 1517 geplanten Friedenskongress, auf dem sich Maximilian I. (Heilig Römisches Reich), Franz I. (Frankreich) und Heinrich VIII. (England) versöhnen sollten. Das Treffen kam freilich nie zustande. Erasmus schickte am 5. Oktober 1517 ein handschriftliches Exemplar des Textes an den Bischof von Utrecht; gedruckt erschien das Werk im Dezember 1517 in Basel.

In seiner Querela betont Erasmus, dass Krieg der außermenschlichen Natur fremd sei: »Der Luchs hat Frieden mit dem Luchs, die Schlange versehrt nicht die Schlangen, die Eintracht der Wölfe ist sogar sprichwörtlich.« Und weiter: »Die Tiere setzen auch nur zum Kampf an, wenn sie durch Hunger oder durch Sorge um die Jungen in Erregung geraten. Welches Unrecht ist dagegen den Christen zu gering, um nicht als geeignete Kriegsgelegenheit betrachtet zu werden?« Eine scharfe Kritik der gegenwärtigen Zustände schließt sich an: »Falls man sich nun früherer Kriege nicht erinnert, vergegenwärtige sich, wer will, die im Zeitraum der letzten zwölf Jahre geführten Kriege, möge er die Ursachen prüfen, er würde erfahren, daß alle um der Fürsten willen unternommen und mit großem Unheil für das Volk geführt wurden, obwohl sie das Volk gewiß nicht das geringste angingen.«

Scharf kritisiert Erasmus auch den damals bereits keimenden Nationalismus: »Um dem Haß Nahrung zu geben, werden die Namen der Gebiete missbraucht. Und die einflussreichen Größen nähren diesen Irrtum des dummen Volkes, und auch einige Priester nähren ihn, um des eigenen Vorteils willen. Der Engländer ist dem Franzosen feind, aus keinem anderen Grund, als weil er Franzose ist. Dem Schotten zürnt der Brite aus keiner anderen Ursache, als daß er ein Schotte ist. Der Deutsche ist mit dem Franzosen zerfallen, der Spanier mit den beiden. O Verrücktheit, bringt der bloße Name eines Ortes auseinander?« In diesen Sätzen klingt das Weltbürgertum des Erasmus an, das dieser fünf Jahre später ausdrücklich beim Namen nannte. Denn 1522 bot der Reformator Ulrich Zwingli dem nun in Basel lebenden Erasmus, dem berühmtesten Gelehrten seiner Zeit, das Züricher Bürgerrecht an. Erasmus lehnte dies ab: »Ich danke dir sehr für deine Zuneigung und die deiner Stadt. Ich wünsche, ein Bürger der Welt zu sein, allen gemeinsam, oder besser, für alle ein Fremder.«

Der berühmteste Satz aus der Friedensschrift des Erasmus ist aber wohl dieser: »Kaum kann je ein Friede so ungerecht sein, dass er nicht besser wäre als selbst der gerechteste Krieg.«

Die Mahnrede des Erasmus - heute so aktuell wie eh und je! - hat das bis 1945 andauernde Blutvergießen in Europa nicht verhindern können, aber sie verhallte nicht ungehört. Erasmus wurde Urheber einer pazifistischen Tradition, die nach 1517 aus der europäischen Geistesgeschichte nicht mehr zu vertreiben war.

Es wäre schade, wenn im Reformationsjahr 2017 dieser Pazifismus in den Hintergrund geriete - zumal Erasmus von Rotterdam in der Frage von Krieg und Frieden eindeutiger gewesen ist als Luther. Man denke nur an dessen Schrift »Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern« (1525), worin es unter anderem heißt: »So wunderliche Zeiten sind jetzt, daß sich ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, besser als andere mit Beten ...«

Hierzu mögen sich Leserin und Leser ihr persönliches Urteil bilden. Sicher ist jedenfalls, dass es sich durchaus lohnt, der durch Erasmus begründeten Tradition wieder inne zu werden - auch seiner so erstaunlich aktuellen, 500 Jahre alten Friedenschrift von 1517.

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