Werbung

Abflug in den Rockhimmel

Tom Petty ist tot

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Unter den Gründen, die den Status der A-Prominenz rechtfertigen, gibt es einen besonders stichhaltigen. Wer in der US-amerikanischen Zeichentrickserie »The Simpsons« vorkommt, der muss ziemlich vielen Menschen etwas bedeuten. Im negativen Sinne trifft das auf Leute wie Adolf Hitler, Charles Manson oder Ronald Reagan zu, im positiven sind es meist Stars aus der Musikwelt. In einer 2004 erstmals ausgestrahlten Folge haben die Drehbuchschreiber besonders viele Rockgrößen versammelt. Homer Simpson besucht das »Rolling Stones Rock’n’Roll Fantasielager«. Dort bringt ihm Mick Jagger das Stolzieren bei und Lenny Kravitz zeigt seine besten Gitarrenriffs. Wie man Liedtexte schreibt, das soll Tom Petty vermitteln. Seinen Satz, die Lyrics müssten bedeutungsvoll und tiefsinnig sein, klassifiziert Homer Simpson als »Laangweilig!«.

Petty schaltet dann zwar seufzend auf »gewöhnlichen Rock« um. Seine Bedeutung für die Popkultur ist mit diesem nicht einmal eine Minute währenden Ausschnitt aber genau umrissen. Er schrieb herausragende Texte, konnte in einem Vier-Minuten-Lied eine ganze Biografie erzählen. Dass der am 20. Oktober 1950 in Florida geborene Petty sich dem Rock zuwandte und nicht der Literatur, könnte an einer frühen Begegnung liegen. Im Alter von zehn Jahren durfte er einem gewissen Elvis Presley die Hand schütteln - ein Moment, den Petty später häufig als Initiationserlebnis bezeichnen sollte. Sein Wunschmetier stand nun fest.

Kurz besuchte er das College, aber die Süße des Lebens, die bezog er beruflich nur noch aus der Musik. Mit seiner Band »Tom Petty & The Heartbreakers« feierte er ab den siebziger Jahren große Erfolge in Europa und in seinem Heimatland. Im darauffolgenden Jahrzehnt etablierte sich die Gruppe als feste Größe. Wie wenige Bands verbanden die »Heartbreakers« massenkompatible Kompositionen mit weit über die Dauer eines Songs hinaus wirkenden Zeilen. Das in die Länge gezogene »And I’m free« aus dem Refrain von »Free Fallin’« lässt sich auf jeder Party mitgrölen. Weil es in dem Titel um einen Farmer geht, der sein Land verliert, können damit auch jene etwas anfangen, die gerne im heimischen Ohrensessel der raren Popmusik mit Haltung lauschen.

In den Neunzigern gründete Petty die »Traveling Wilburys«, bestehend aus Mitgliedern, die schon vorher Stars waren: George Harrison, Roy Orbison, Jeff Lynne, Bob Dylan - und Tom Petty. Das Quintett produzierte zwei Alben, dann war Schluss. Tom Petty schien sein Werk als vollendet zu betrachten. Es gab keine epischen Stücke mehr wie »Into The Great Wide Open« und auch keine die Melancholie zum Widerstand erhebenden Nummern wie »Learning To Fly« oder »I Won’t Back Down«. Die aktuelle Tour sollte die letzte sein. Er wollte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Dazu wird es nicht mehr kommen. Tom Petty starb unerwartet am Montag im Alter von 66 Jahren.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen