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Lustvoll inszenierte Klischees

Am Montag startet die zweite Staffel der Comedy-Serie »Insecure«

Issa Rae dürfte es im Grunde gar nicht geben, zumindest nicht am Bildschirm, wo der Mainstream des berechenbaren Massengeschmacks die Fließrichtung dirigiert. Jo-Issa Rae Diop, wie sie vor 32 Jahren in Los Angeles getauft wurde, ist nämlich eher derbe als lieblich. Sie ist zudem: wenig modebewusst, schwer zu handhaben, ziemlich burschikos, und sie ist dunkelhäutig. Zusammengenommen bildet all das eine Kombination, die man im Fernsehen allenfalls auf den Nebenschauplätzen ulkiger Sitcoms antrifft, aber praktisch nie an vorderster Front des Leitmediums Fernsehen, ob linear oder gestreamt.

Die HBO-Serie »Insecure« erzählt die Geschichte der akademisch gebildeten, aber beruflich unterforderten Volkshochschullehrerin Issa, die nicht ohne Grund so heißt wie ihre Darstellerin, Erfinderin, Autorin, Produzentin, Regisseurin. Ohne als explizit autobiografisch präsentiert zu werden, machte sich Issa Rae vor einem Jahr zum TV-Abbild ihrer selbst und kreierte damit einen Typus Fernsehfigur, den es bis dahin eigentlich nur einmal gab: Von, über und mit Issa Rae als »Awkward Black Girl« in der gleichnamigen YouTube-Serie, auf die »Insecure« lose aufbaut.

Übersetzbar mit »verunsichert«, aber auch »ohne Absicherung« porträtiert die Fortsetzung ab dem kommenden Montag bei Sky wieder zwei kalifornische Frauen, von denen die eine (Issa Rae) in langjähriger Beziehung (Jay Ellis) nach der alltäglichen Erfüllung sucht und die andere (Yvonne Orji) als erfolgreiche Anwältin nach der emotionalen Befriedigung. In den ersten acht Folgen sorgte das Ende 2016 für ein hinreißend komisches, zugleich jedoch äußerst tiefgründiges Stück feministischer Emanzipation vor afroamerikanischem Hintergrund. Aber auch jetzt schaffen es Issa und Molly, fast alle Klischees schwarzer Lebensentwürfe im weißen Mehrheitsamerika gleichsam aufzutischen und abzuräumen.Von der viel zitierten Körperlichkeit dunkelhäutiger Menschen über ihren Opferstatus im american way of life bis hin zum vermeintlichen Rhythmus im Blut, wird unter der tatkräftigen Mithilfe des versierten Fernsehautors Larry Wilmore (»The Office«) praktisch jedes Vorurteil lustvoll inszeniert, um sodann auf ebenso kluge wie unterhaltsame Art und Weise untergraben zu werden.

Verhandelt wird in der Serie auch die Rolle der doppelten Diskriminierung als weiblich und nicht-weiß. Dies spielen die beiden Hauptdarstellerinnen mit einer so grandiosen Schnodderigkeit, dass von Larmoyanz keine Spur ist. Und deshalb wird besonders Issa Rae das, was ihr im Grunde gar nicht so wichtig ist: ungemein sexy. Es ist allerdings eine Erotik von innen, aus Lebensfreude und Intelligenz, Spontanität und Selbstachtung. Viel Glück dabei, Issa! Mögest du noch viele Rollen wie diese schreiben, drehen, spielen.

Verfügbar ab 9. Oktober auf Sky

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