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  • Politik
  • Kunstfreiheit in Dänemark

Zündeln mit Mohammedkarikatur

In Dänemark provoziert ausgerechnet die Migrationsministerin mit einem Bild, dass eine der umstritten Zeichnungen auf ihrem Computer zeigt

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die dänische Migrationsministerin Inger Stöjberg von der größten bürgerlichen Partei Venstre gilt als Vertreterin einer harten Linie. Sie soll Stimmen von der inzwischen größeren rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei zurück ins bürgerliche Lager holen. Auch wenn sich die Dänen schon daran gewöhnt haben, dass sie etwa unterschiedliche Einwanderungsregeln für Christen und Muslime fordert, und ankommenden Flüchtlingen von der Polizei den Goldschmuck abnehmen lässt, hat ihr jüngstes Vorgehen doch eine Debatte ausgelöst.

Die Migrationsministerin hat auf Facebook ein Bild veröffentlicht, das den Bildschirm ihres privaten Tablet-Computers zeigt. Als Hintergrundbild sieht man eine Karikatur, die den islamischen Propheten Mohammed mit einer Bombe im Turban abbildet. Nun wird gefragt, ob es richtig ist, so etwas als Migrationsministerin zu tun und es auch noch an die große Glocke zu hängen.

2006 kam es in muslimischen Ländern zu gewalttätigen Demonstrationen gegen Dänemark und später zu Terroranschlägen wegen dieser und elf weiteren Mohammedkarikaturen, die in der Zeitung »Jyllands-Posten« veröffentlicht worden waren. Der Karikaturist Kurt Westergaard, der den Bomben-Mohammed gezeichnet hat, lebt seitdem in Angst und entging in seiner eigenen Wohnung nur knapp einem Mordanschlag.

Die Migrationsministerin erklärt in ihrem Facebookeintrag, dass sie die Bombenkarikatur als Hintergrund für ihr iPad ausgewählt hat, um für Meinungsfreiheit einzutreten. Stöjberg will damit dagegen protestieren, dass ausgerechnet eine Blasphemieausstellung im Skovgaard Museum in Viborg es nicht wagt, islamische Leitfiguren zu veräppeln, während Jesus und andere Glaubenssymbole dort gehörig auf die Schippe genommen werden. So wird etwa »Piss Christ« ausgestellt, ein Bild, bei dem ein Kruzifix in Urin steht.

Die Ausstellung findet statt, weil das Parlament im Sommer der seit 1683 bestehende Straftatbestand der Blasphemie abgeschafft hat. Gotteslästerung gehört in Dänemark nun uneingeschränkt zur Meinungsfreiheit. Doch anscheinend haben sich die Organisatoren trotzdem nicht getraut, den islamischen Propheten abzubilden, dessen Karikaturen im Lande bereits zu viel Wirbel führten.

Die Mohammedkarikaturen »zeigen, dass wir ein freies Land sind, wo Meinungen infrage gestellt werden und wo du sagen kannst, was immer du möchtest und kritisieren kannst, wen immer du möchtest«, schreibt die Migrationsministerin zu ihrem Facebookeintrag mit dem Bild ihres iPad-Schirms. »Ich persönlich habe Kurt Westergaards berühmte Zeichnung als Hintergrundbild auf meinem iPad. Ich habe es, weil ich Dänemark liebe«, schreibt die Ministerin der ansonsten gemäßigten Venstre. Es sei eine freie Entscheidung des Museums, das nicht auszustellen, aber das sei »schade«, so die Ministerin weiter. Ihr Parteikollege, Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen, kommentierte, dass er selbst die Mohammedzeichnung nicht als Hintergrund für sein iPad ausgewählt hätte. »Aber ich bin froh darüber, in einem Land zu leben, in dem man das darf«, sagte er.

Kritiker halten die Aktion für unnötige Provokation, die man am besten ignoriert. Gerade als Migrationsministerin sollte man Brücken schlagen und nicht einreißen. Zudem wurde kritisiert, dass Stöjberg leicht reden könne, da sie als Ministerin von der Polizei beschützt werde. Es sei etwas anderes, wenn man ein kleines Museum sei, dass nicht über den Sicherheitsschutz einer Ministerin verfügt. Zudem gehe es bei der Ausstellung um Blasphemie im Allgemeinen. Mit den Mohammedkarikaturen würde das Grundthema völlig in Vergessenheit geraten, so Stöjbergs Kritiker.

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