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Ein Kabel für den Stromaustausch

Norwegen und Deutschland werden künftig erneuerbare Energien teilen

  • Von Teresa Dapp
  • Lesedauer: 3 Min.

Tonstad und Wilster sind nicht gerade internationale Metropolen, aber unter Fans der Energiewende genießen das norwegische Dorf und das Städtchen in Schleswig-Holstein eine gewisse Bekanntheit. Von Tonstad nach Wilster führt das erste Kabel, das Norwegens Stromnetz mit dem deutschen verbindet. Zum beiderseitigen Gewinn. An diesem Freitag wird in Wilster das Richtfest gefeiert für die Konverterstation auf der deutschen Seite, wo Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt wird.

Das 623 Kilometer lange, Tausende Tonnen schwere und rund zwei Milliarden Euro teure Kabel soll helfen, eines der größten Ökostromprobleme überhaupt zu lösen: Den Mangel an Stromspeichern. Strom aus Wind und Sonne ist je nach Wetter mal massig verfügbar, mal knapp, »Dunkelflaute« heißt das Worst-Case-Szenario.

Das Nordlink-Kabel soll Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken nach Deutschland bringen, wenn hier die Windräder stillstehen. Mehr als 3,6 Millionen deutsche Haushalte wird die Super-Trasse mit erneuerbaren Energie versorgen können. Umgekehrt soll der deutsche Windstrom in Norwegen den Bedarf an Wasserkraft senken, das Wasser würde in den Speicherseen verbleiben. Die Netzbetreiber Tennet und Statnett versprechen günstigere Strompreise. Bisher müssen Windräder im Norden abgeschaltet werden, wenn sie zu viel Strom produzieren - dafür fallen Entschädigungen für die Betreiber an, die auf die Strompreise umgelegt werden.

»Diese neue Stromautobahn ist ein gutes Beispiel für die Vorzüge einer engen europäischen Vernetzung«, sagt der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen. Durch den Austausch wirke die Leitung »ähnlich wie ein riesiger Stromspeicher - seine Leistung ist in etwa so groß wie die eines Atomkraftwerks.«

Graichen sieht in Nordlink auch einen Ausblick darauf, was die »Stromautobahnen« Südlink und Südostlink einmal bringen sollen: »Der Strom kann freier fließen und der Strommarkt insgesamt funktioniert besser.« Windstrom aus dem Norden komme im Süden an, wo nach dem Abschalten der letzten Atomkraftwerke im Jahr 2022 ein größerer Bedarf entstehe.

Nur: So rund wie bei der Nordlink-Verbindung, durch die ab 2020 Strom fließen soll, läuft es bei den innerdeutschen Megatrassen nicht. Um deren Verlauf gibt es reichlich Ärger, Bürgerinitiativen wollen bestimmte Regionen kabelfrei halten. Und das, obwohl auf Wunsch Bayerns schon der allergrößte Teil unterirdisch verlegt werden soll, was länger dauert und teurer ist. Der Netzausbau ist neben den Stromspeichern der zweite Pferdefuß der Energiewende.

Aktuell gibt es unter anderem Streit zwischen Bauern und der Energiewirtschaft: Der Bauernverband fordert - mit der CSU - jährliche Pachtzahlungen für Landwirte, auf deren Grundstücken Höchstspannungs-Leitungen verlegt werden. Die Unternehmen halten das für »völlig unangemessen«, es gebe ja schon Entschädigungen. Im Fall von Nordlink ist das kein Problem: Nur 107 Kilometer verlaufen an Land, 516 Kilometer als Seekabel - da beschwert sich niemand.

»Klar mag niemand Stromnetze, kaum jemand findet eine Leitung in der Nähe seines Hauses toll« - Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Robert Habeck hat Verständnis für die Proteste. Es einfach zu lassen könne aber nicht die Antwort sein. Im Bundesvergleich sei sein Land so weit vorn, weil man die Sorgen ernst nehme: »Wir haben einen intensiven Dialog mit Bürgern und Verbänden geführt und Lösungen gefunden.« So wollen es auch die Übertragungsnetzbetreiber halten und planen für die Nord-Süd-Trassen viele Antragskonferenzen, auf denen Bürger, Kommunen und Verbände ihre Bedenken äußern können. Südlink und Südostlink müssen unter anderem Rücksicht auf Moore und Feldhamster nehmen. Eine Leitung quer durch die Nordsee hat es da leichter. dpa/nd

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