Werbung

»Auswirkungen bis nächste Woche«

Regionalverkehr normalisiert sich, Fernverkehr weiterhin gestört / Sieben Todesopfer durch Sturmtief Xavier

  • Lesedauer: 4 Min.

Düsseldorf. Nach Sturmtief »Xavier« müssen Bahnreisende sich im Fernverkehr noch bis Anfang nächster Woche auf Beeinträchtigungen einstellen. »Auswirkungen gibt es im Fernverkehr Richtung Norden und Nordosten«, sagte ein Sprecher der Bahn am Freitag. Mit einem Hubschrauber wurde erkundet, ob auf Bahnstrecken etwa Bäume im Gleis liegen.

Weitgehend normalisiert hat sich laut Angaben der Bahn am Freitag dagegen der Regionalverkehr. Eine Ausnahme ist die Strecke zwischen Minden und Nienburg in Niedersachsen. Sie ist laut Bahnsprecher voraussichtlich noch bis Samstagmittag gestört, da auch dort Bäume im Gleis liegen. Betroffen von der Störung ist der RE 78. Ob es für Reisende einen Ersatzverkehr mit Bussen geben wird, sei derzeit nicht absehbar, so der Sprecher weiter.

Die Fahrgäste, die in Minden über Nacht festsaßen, konnten die Stadt inzwischen verlassen. Zwei ICE-Züge und ein Regionalexpress waren dort am Donnerstagnachmittag gestoppt worden. Laut Auskunft der Bahn hatten allein in den beiden ICE-Zügen rund 400 Fahrgäste gesessen. Rund die Hälfte der Fahrgäste habe die Züge auf eigene Faust verlassen können - die übrigen hätten Feuerwehr und Rotes Kreuz mit Essen und Getränken versorgt. Sogenannte Hotelzüge gab es außer in Minden auch an den Hauptbahnhöfen in Köln, Dortmund, Bielefeld und Düsseldorf.

Inmitten des Sturms landete am Donnerstag ein Pilot seinen aus Dubai kommenden Airbus A380 auf dem Flughafen in Düsseldorf. Anschließend fuhr das größte Passagierflugzeug der Welt bei böigen Seitenwinden in Kurven auf der Landebahn. Im Internet wurde das eindrucksvolle Video von der Landung binnen eines Tages mehrere hunderttausend Male aufgerufen. Ein Flughafensprecher sagte am Freitag, es seien aber keine besonderen Maßnahmen notwendig gewesen. Generell übermittele die Deutsche Flugsicherung den Piloten die aktuellen Wind- und Wetterwerte. Der Pilot entscheide dann, ob er lande oder nicht.

Nach Angaben der Bahn vom Freitagnachmittag waren die wichtigen Fernstrecken von Berlin nach Hamburg und Hannover sowie von Hamburg in das Ruhrgebiet noch bis auf Weiteres gesperrt. Zwischen Hamburg und Hannover sollten ab dem frühen Abend wieder Züge fahren. Die Strecke von Berlin nach Leipzig war mit Einschränkungen wieder befahrbar.

Zugleich warnte die Bahn angesichts der massiven Schäden durch umgestürzte Bäume auf den Strecken vor anhaltenden Störungen im Betrieb auch in den kommenden Tagen. »Die Auswirkungen des Sturms auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn werden sich teilweise bis Anfang nächster Woche hinziehen«, erklärte das Unternehmen.

Die S-Bahn im Raum Hannover lief eingeschränkt, es gab aber weiter Ausfälle im gesamten Regionalverkehrsnetz. Bei der S-Bahn in Berlin gab es am Freitag noch erhebliche Beeinträchtigungen, in Hamburg dagegen verkehrten die S-Bahnen wieder weitestgehend normal. Bundesweit waren laut Bahn hunderte Mitarbeiter mit 20 Reparaturzügen »im Dauereinsatz«, um umgestürzte Bäume von den Strecken zu räumen und Oberleitungen zu reparieren.

Allein in Berlin rückte die Feuerwehr nach eigenen Angaben binnen 17 Stunden zu 2000 Unwettereinsätzen aus, in Hamburg bis Freitagmittag mehr als 1400 Mal. In einigen Gebieten etwa in Brandenburg fiel der Strom aus. Vielerorts saßen Bahnreisende auch in kleineren Orten fest und wurden von Einsatzkräften versorgt.

»Xavier« war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit Windgeschwindigkeiten von teilweise weit mehr als hundert Stundenkilometern und heftigen Regem über das norddeutsche Tiefland gezogen. In einem breiten Streifen von Niedersachsen und Hamburg bis Brandenburg, Berlin und Sachsen richtete der Sturm schwere Verwüstungen an. Er entwurzelte Bäume, wirbelte Äste sowie Dachziegel durch die Luft und beschädigte Gebäude. Bundesweit hat das Sturmtief mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. Allein in Brandenburg starben vier Menschen.

Eine der Opfer ist die Journalistin und Politik-Expertin Sylke Tempel, Chefredakteurin der Zeitschrift »Internationale Politik« und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Nach Angaben der Feuerwehr war sie aus ihrem Auto gestiegen, um ein Hindernis aus dem Weg zu räumen. Dabei wurde sie von einem umstürzenden Baum getroffen.

Auf Sturmtief »Xavier« folgt nun »Yap«. Das Tiefdruckgebiet bringt laut Deutschem Wetterdienst am Wochenende kühles, ungemütliches Schauerwetter. Es kann aus dichten Wolken immer wieder regnen. Agenturen/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!