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Der Völkermord ist nicht vergessen

Die Filmvorstellung »Skulls Of My People« machte den Auftakt für Veranstaltungen von Herero-Aktivisten

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.

Es war eine ungewöhnliche Frage, die den südafrikanischen Filmemacher Vincent Moloi zu der Auseinandersetzung mit dem Völkermord an den Herero in Namibia brachte. Getrieben von der Neugier auf die Kleider und Hüte der Herero-Frauen fragte sich Moloi, welche Tradition hinter diesen Gewändern steckte. Er stieß auf die Geschichte des Genozids, bei dem Anfang des 20. Jahrhunderts vier von fünf Herero und die Hälfte der Nama unter deutscher Kolonialherrschaft ermordet wurden. Weil er selbst bisher nichts über diesen Völkermord wusste und wenig Medienaufmerksamt für das Thema verzeichnete, entschied er sich, der Geschichte nachzugehen.

»Skulls Of My People« erzählt die historischen Hintergründe des Mordes an den Herero, insbesondere durch den deutschen Generalleutnant von Trotha. Gleichzeitig widmet sich der Film auch dem Kampf der Nachkommen der Opfer.

Seit mehr als 100 Jahren setzen sich Herero-Aktivistinnen und Aktivisten für Reparationszahlungen Deutschlands ein. Dazu gehört auch die Forderung nach der Rückübersendung von Schädeln und Gebeinen der ermordeten Herero und Nama, welche die Kolonialherren mit nach Deutschland nahmen. Bis heute sind noch nicht alle Schädel nach Namibia zurückgebracht worden, was durch den Filmtitel aufgegriffen wird. Nach Vorstellungen in Köln, Wuppertal und Brühl wurde der Film am Donnerstag in Berlin vorgellt.

Die Nichtregierungsorganisationen AfricAvenir und Berlin Postkolonial luden mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung drei Aktivistinnen und Aktivisten der Herero und Nama zu einem Gespräch im Anschluss an den Film ein. Das Bild, dass es sich vor allem um eine Frauenbewegung handelt, wurde durch die Gäste verstärkt. Besonders spannend waren Erzählungen von ihrem Engagement in Namibia, mit den dort lebenden Deutschen in Kontakt zu treten.

»Die Deutschen fühlen sich sehr sicher in ihren Siedlungen und leben vollkommen abgeschottet«, berichtete Waltrauds Ignatsia Ortman. Viele besäßen riesige Ländereien, »sie profitieren noch heute von der Kolonialzeit, während wir noch immer unter ihr leiden«, so Ortman weiter. Doch auch in Deutschland ist es schwierig für die Aktivisten, Gehör für ihre Anliegen zu finden. Wenngleich die Bundesregierung Mitte letzten Jahres erstmals anerkannte, dass es sich bei den Gräueltaten an den Herero und Nama um einen Völkermord handelt, erfolgten daraus keine Rechtsansprüche auf Reparationszahlungen.

Die Herero- und Nama-Aktivistinnen und Aktivisten haben es zudem auch in ihrem eigenen Land schwer, Unterstützung zu finden. Moloi macht in seinem Film deutlich, dass die namibische Regierung darauf bedacht ist, nicht zu kritische Töne von sich zu geben. Mit Deutschland will man es sich wegen der Entwicklungshilfe nicht verscherzen. Namibia ist das Land, dass die umfangreichsten finanziellen Leistungen aus Deutschland erhält.

Im Rahmen der Eröffnung der laut Machern ersten umfassenden deutschen Kolonialausstellung am 13. Oktober im Museum Treptow finden im Centre Francais de Berlin weitere Veranstaltungen zum Völkermord an den Herero statt. Auch hier werden Aktivistinnen und Aktivisten anwesend sein und von ihrem Engagement berichten.

14. und 15. Oktober, 11 Uhr, Centre Francais de Berlin, Müllerstr. 74.

Weitere Informationen über die Veranstaltung sowie die Herero und Nama-Aktivisten unter: www.berlin-postkolonial.de

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