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Wenn früher Kunst auf Kirche traf, gab es oft Konflikt und Krawall mit kolossalen Kollateralschäden. Dogmen waren der beste Dünger für den Widerspruchsgeist. Heute ist da nur Harmonie, die nicht mehr als verstecktes Desinteresse in Kirchentagssoße ist. In Wien feierte dieser Tage die evangelische Kirche die Reformation. Statt nun aber donnernd neue Thesen zu verkünden, sang auf der Bühne samt Kindern ein Sänger, dessen größte Leistung darin bestand, dass er einmal Angela Merkel die Hand schüttelte. Das Publikum goutierte dies bei Käsekrainer und Ottakringer - und gab sich sonst gepflegter Langeweile hin. Nichts vermochte die müden Seelen zu erwecken: Die feste Burg, die ihr Gott einst gewesen, entpuppte sich als Hüpfburg, aus der langsam aber sicher Luft und Leben entwichen. Selbst der wirklich festen, weil steinernen Burg, dem Burgtheater nebenan, das Arthur Millers »Hexenjagd« groß anpries, ward nicht widersprochen. Es blieb bei der Widerspenstigen Lähmung. stf

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