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Die Syrier trauen Riad nicht

Kurden im Land sehen Annäherung zwischen Russland und Saudi-Arabien mit Sorge

  • Von Karin Leukefeld, Damaskus
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der russische Nachrichtenkanal »Russia Today« in Arabisch gehört in Syrien und anderen Ländern der Region zu den am meisten gesehenen Sendern. In den vergangenen Tagen berichtet RT rund um die Uhr über den »historischen Besuch« des saudischen Königs Salman in Moskau. Nachrichten, Hintergrundberichte und Diskussionen befassten sich mit den neuen bilateralen Beziehungen, die Moskau und Riad festigen. Viele Syrer verfolgen das Geschehen mit gemischten Gefühlen. Aus der Sicht syrischer Kurden in Damaskus, die die Föderation im Landesnorden unterstützen, könnte diese neue Kooperation zu einem anderen Kräfteverhältnis in Syrien und einer Schwächung der eigenen Bestrebungen führen.

»Wenn Saudi Arabien sich mit Russland, Iran und der Türkei verständigt, bedeutet das für uns nichts Gutes«, meint Hanan aus Afrin. Er verfolgt RT Arabisch, aber auch den arabischsprachigen französischen Auslandssender France 24. Die »große Politik« sei schwer zu verstehen, räumt Hanan ein. Doch der wachsende russische Einfluss stärke auch die syrische Regierung. Dann schaltet er um und verfolgt die Beerdigung des kurdischen Führers und ehemaligen irakischen Präsidenten »Mam« Dschalal Talabani auf dem kurdischen Sender Ronahi. Vor dem Hintergrund kurdischer Unabhängigkeitsbestrebungen wurde in Irak am Wochenende Kritik daran laut, dass sein Sarg mit einer kurdischen Fahne und nicht mit einer irakischen Flagge eingehüllt worden ist.

Viele hiesige Gesprächspartner reagieren ähnlich verhalten. Ob Moskau die Saudis bewegen könne, die Unterstützung für die Kampfgruppen in Syrien aufzugeben, sei fraglich, meint etwa Mazen A., ein pensionierter Militärarzt. »Es geht ums Geschäft, um Waffen, Öl, Gas. Wir hier in Syrien spielen für die Saudis eine untergeordnete Rolle.« Moskau versuche, den Saudis einen Weg zu zeigen, wie sie von ihrem hohen Ross gegen Syrien wieder heruntersteigen könnten, meint dagegen Nabil B., ein Agraringenieur. »Sie wollen ihre Politik in Syrien ändern, aber sie wissen nicht, wie sie das machen sollen. Moskau kann ihnen dabei helfen.«

Offizielle syrische Stellungnahmen gibt es zu dem »historischen Besuch« des saudischen Königs in Moskau nicht. Demonstrativ war in den Tagen davor eine russische Wirtschaftsdelegation durch die Ministerien in Damaskus getourt, um die Zusammenarbeit beim Wiederaufbau der Öl- und Gasförderanlagen und im Wohnungsbau zu beschließen.

Unmittelbar nach der russischen Delegation traf dann der Vorsitzende der Kommission für Außenpolitik und nationale Sicherheit im iranischen Parlament, Alaeddin Boroujerdi, in Damaskus ein. Bei einem Treffen mit Präsident Bashar al-Assad ging es auch um das Unabhängigkeitsreferendum der nordirakischen Kurden, das von beiden Seiten als »Versuch, die staatliche Souveränität und territoriale Integrität der Republik Irak zu unterlaufen«, zurückgewiesen wird. Boroujerdi kündigte zudem den Besuch des ersten Vizepräsidenten Irans, Eshaq Jahangiri, an. Er werde Verträge im Bereich des Wiederaufbaus abschließen.

Um den Einfluss Teherans zurückzudrängen und in Damaskus einen »Regimewechsel« zu erzwingen, hatte Riad gemeinsam mit der Türkei, den USA und der EU seit 2011 islamistische Gruppen in Syrien bewaffnet und bezahlt. Nach sechs Jahren Krieg wird deutlich, dass der Plan gescheitert ist. Nicht nur Iran, auch Russland konnten ihren Einfluss in der Region erheblich stärken. Die enge Zusammenarbeit zwischen Moskau und Teheran sieht das saudische Königshaus kritisch, dennoch hat der Monarch mit seinem Besuch in Russland dessen neue starke Rolle in der Region anerkannt. Umgekehrt sucht Moskau mit Riad nach Möglichkeiten, wie es sich gesichtswahrend aus der Sackgasse in Syrien wieder herausmanövrieren kann.

Man wolle helfen, die »territoriale Integrität Syriens« zu erhalten, erklärte jetzt Riads Außenminister Adel al-Jubair. Für die nächste Syrien-Runde bei der UNO in Genf arbeite Saudi-Arabien daran, die gespaltene syrische Opposition für den »politischen Übergangsprozess« zu einen.

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