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Klassenkasper mit Ästen und Blättern

Peter Wohlleben nimmt Kinder wie auch ihre Eltern und Großeltern mit auf eine Entdeckungsreise durch den Wald

  • Von Silvia Ottow
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Baum als Mensch - er wächst und atmet, spricht mit den Seinen, schützt seine Kinder vor dem Verdursten, kann Pickel bekommen, arbeitet mit dem Internet und setzt sogar Babys in die Welt.

Peter Wohlleben: Hörst du, wie die Bäume sprechen?
Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald. Oetinger, 128 S., geb., 16,99 €

Nein, hinter diese Aufzählung kommt kein Fragezeichen. Was der berühmteste Förster von Deutschland, Peter Wohlleben, dem erwachsenen Leser längst mit großem Erfolg in seinen Bestsellerbüchern nahe brachte, hat er nun für Kinder aufbereitet; in einem abwechslungsreich und aufwendig illustrierten Bilder-Text-Buch inklusive kleiner Rätsel und Anregungen für einen erlebnisreichen Waldspaziergang.

So kann man in einem Buchenwald bei genauem Hinschauen Schulklassen von jungen Bäumchen entdecken. Ist ein Baumkind etwa einen Meter groß, beginnt nämlich im Wald die Zeit des Lernens.

Das wichtigste Fach heißt hier allerdings nicht Mathematik oder Deutsch, sondern »Gerade wachsen«. Ein krummer Stamm kann bei einem Sturm leicht brechen. Deshalb wünschen sich die Mutterbäume von ihren Kindern ein kerzengerades Wachstum. Viele von ihnen beherzigen das auch, aber ein paar Klassenkasper gibt es natürlich immer. Sie linsen mal nach links und mal nach rechts und werden auf diese Weise nicht so schnell groß wie ihre Mitschüler. Um sie herum wird es immer dunkler, die krummen Bäume sterben irgendwann. Nach 300 Jahren sind von hundert Baumschülern nur noch ein oder zwei übrig.

Doch auch zu viel Licht kann gefährlich werden. Wo keine hohen Mutterbäume mehr stehen, wachsen die Baumkinder zu schnell und können durch die übergroße Helligkeit jede Menge Zucker herstellen.

Wie den kleinen Menschen bekommt ihnen dieses Übermaß an Süßigkeiten offenbar ebenso wenig. Sie sterben schon nach 200 bis 300 Jahren, für Bäume gar kein Alter.

Der älteste bekannte Baum ist eine Fichte in Schweden. Sie ist fast zehntausend Jahre alt. Die Aufgabe dieses Kapitels an die Waldspaziergänger ist es, das Alter der Bäume zu bestimmen. Bei Laubbäumen zählt man zu diesem Zweck die Knoten auf den Zweigen, bei Nadelbäumen wachsen die Äste in Etagen. Jedes Jahr kommt eine neue hinzu.

Wohlleben vermittelt naturwissenschaftliche Erkenntnisse, ohne dass sich kleine - und übrigens auch große Leserinnen und Leser - dessen bewusst wären, denn er erzählt spannende Geschichten. Der Wald und seine Protagonisten, die Bäume, erscheinen einem wie unablässig arbeitende oder spielende Wesen, mit Fähigkeiten und Lebenszielen ausgestattet, von denen unsereins lernen könnte.

Ein kleiner Fuchs führt von Seite zu Seite des üppig und ideenreich ausgestatteten Buches, dessen unterschiedliche Kästchen, Bilder, Farben, Schriftgrößen, Schriftarten und Anfangsbuchstaben uns mitunter ein wenig verwirren können. Doch das tun die Bäume schließlich auch.

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