Werbung

»Armageddon was yesterday ...

Kathrin Gerlof über das Gedränge in der gesellschaftlichen Mitte und die Rolle der Bikini-statt-Burka-Partei

  • Von Kathrin Gerlof
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

... today we have a serious problem.« Dass wir hier ausnahmsweise mal mit Englisch einsteigen, ist nur wegen der AfD. Die ärgert Ausländisch immer. Nicht alle. Viele Rechte sprechen fließend Englisch. Dies sei nur gesagt, um all jenen von den guten Menschen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die glauben, das ganze Problem wird sich sozusagen aufgrund mangelnder Intelligenz und Blödheit erledigen.

Die Bertelsmann Stiftung (ohne die Bertelsmann Stiftung wüssten wir hierzulande nicht, wo vorn und hinten ist, die Politik hätte keinen blassen Schimmer, was die Wählerin oder der Wähler so denkt, überhaupt wäre das Leben ohne Bertelsmann fad) hat uns mit einer neuen Studie darüber aufgeklärt, dass die Partei, deren Namen wir so ungern aussprechen, weit in die Gesellschaft hineinwirkt. Und dass - jetzt erst kommt die Steigerung von Armageddon - die Zustimmung zu etablierten Parteien nicht nur in der Unterschicht verschwindet. Definiere Unterschicht, möchte man sagen, aber das ist ein Nebenkriegsschauplatz. Jede und jeder hat so seine eigene Vorstellung, wer Unterschicht ist und wer nicht. Für uns Frauen ist erst einmal gut, dass mehr Männer und dann bevorzugt ostdeutsche Männer den Wahlgang nach rechts gemacht haben. Für die Gesellschaft insgesamt natürlich nicht.

Die Jamaika-Koalition, die uns nun für vier Jahre ins Haus steht (auch deshalb der englische Armageddon-Spruch am Anfang) repräsentiere, sagt Bertelsmann, nur noch rund 39 Prozent der bürgerlichen Mitte. Definiere bürgerlich und Mitte. Mitte ist ja inzwischen wahnsinnig groß, die CDU und ihre kleine, schrumpfende bayerische Schwester weiten das Ding namens Mitte gerade ins Unendliche aus. Das muss man sich wie einen großen Topf vorstellen, dessen Fassungsvermögen neu bestimmt wird und in den einfach alles reinpasst, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Wenn die Mitte erst einmal durch Umdeutung und Neubestimmung groß genug ist, hat sich auch das Problem mit der AfD erledigt. Ein Teil von denen liegt dann mit im Topf, wird ordentlich untergerührt und das schmeckt man später gar nicht mehr raus. Der klägliche Rest wandert in die Biotonne.

Eine Wahnsinnserkenntnis der Stiftung namens Bertelsmann, die uns die Welt deutet, Vorgaben macht und Studien schreibt, ist: In wirtschaftlich und sozial starken Gegenden gehen die Menschen im Durchschnitt häufiger wählen als in schwachen Regionen.

Es gibt so vieles, was jetzt gesagt und erkannt wird, bei dem wir sicher sein können: Das hätten die sogenannten etablierten und Volksparteien und deren Spitzenleute vorher gar nicht wissen können. Doch jetzt erst kommt das Aber und somit das dicke Ende. 2017 ist dieser Unterschied kleiner geworden. Denn in den sozial prekären Stimmbezirken ist die Wahlbeteiligung doppelt so stark angestiegen, wie in den wirtschaftlich starken Stimmbezirken. Auch das wäre, hätte man es vorher vermutet, reine Kaffeesatzleserei gewesen. Woher soll man denn bitteschön wissen, dass die Bikini-statt-Burka-Partei in den deutschen Slums so abräumen würde? Das konnte einfach niemand ahnen. Und deshalb ist es gut, wenn die Volksparteien jetzt anfangen nachzudenken und ihre Schlüsse zu ziehen.

Die Junge Union will daher auch neue und unverbrauchte Köpfe. Kluge Menschen, die in der Lage sind, den Begriff Obergrenze so lange zu synonymisieren, bis er in einen Koalitionsvertrag passt. Der Vorsitzende der Jungen Union findet zum Beispiel, dass Jens Spahn so ein unverbrauchter Kopf ist, wobei man dann zumindest die Frage stellen sollte, was der Spahn die ganze Zeit mit seinem Kopf gemacht hat, wenn der sozusagen noch wie neu, also gänzlich unverbraucht ist. Das hat der Paul Ziemiak von der Jungen Union nicht erklärt. Vielleicht gebraucht er, dies nachzureichen, demnächst mal seinen Kopf, der dann aber leider nicht mehr unverbraucht sein wird. Das ist ein echtes Dilemma.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen