Fassadenklettern leicht gemacht

Wer in Leipzig eine Hauswand begrünen will, kann das über ein städtisches Programm tun

  • Von Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 4 Min.

Begrünte Fassaden machen eine Stadt schöner und gesünder. Das weiß man auch in Leipzig. Aus diesem Grund hat die sächsische Messestadt in Zusammenarbeit mit dem »Ökolöwe-Umweltbund Leipzig« ein Programm zur Begrünung von Fassaden aufgelegt. »Kletterfix - grüne Wände für Leipzig« ist als Maßnahme im Luftreinhalteplan der Stadt verankert.

»Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Grün schluckt Feinstaub, bricht den Schall und kühlt im Sommer die Fassade«, erklärt Christiane Heinichen. Sie ist beim Leipziger »Ökolöwe«-Verein gemeinsam mit Michael Schlorke verantwortlich für das Programm. Dank Fassadenbegrünung kann eine Hauswand im Sommer bis zu 30 Grad Celsius kühler sein als ohne Grün. Ein Effekt, der an heißen Tagen wichtig ist. Bienen, Schmetterlinge und Vögel fühlen sich hier wohl. Nebenbei verhindert die Begrünung auch Schmierereien an den Wänden.

Wer seine Fassade begrünen will, kann noch bis Ende Oktober beim Umweltbund mit Sitz im Haus der Demokratie anrufen und einen Beratungstermin vereinbaren: Welche Pflanzen sind geeignet? Was muss ich beachten? Besonders in baumlosen Straßen ist eine begrünte Fassade von großem Nutzen.

Der Verein »Ökolöwe« bietet auch Führungen durch die Stadt an. Anhand typischer Beispiele erklärt Michael Schlorke die Idee und die Vorteile: »Die bisher vier Führungen waren gut besucht, etwa zehn Leute waren jeweils dabei.« Da kamen interessierte Mieter und Architekten genauso wie eine ältere Dame vom Bürgerverein - und Leute, die gerade gemeinsam ein Haus gekauft haben.

Christiane Heinichen und Michael Schlorke können unmöglich sagen, wie viele Leipziger Fassaden derzeit begrünt sind. Über das 2015 neu gestartete Programm - von 1999 bis 2008 war es schon einmal aufgelegt worden - wurden jedenfalls etwa 60 Objekte begrünt. Besonders geeignet sind Efeu und wilder Wein, letzterer ist besonders beliebt wegen seiner schönen Färbung im Herbst. Diese Pflanzen benötigen keine Rankhilfe, müssen aber anfangs regelmäßig gegossen und eventuell auch verschnitten werden. Voraussetzung ist eine nicht gedämmte Fassade in gutem Zustand ohne Risse, denn die Pflanzen bilden sogenannte lichtfliehende Triebe. Sie suchen den Schatten und können so vorhandene Schäden in der Fassade vergrößern. Schlorke: »Das ist auch eine der größten Bedenken, die die Leute haben, wenn sie zu uns kommen.«

Abhilfe können hier gerüstkletternde Pflanzen schaffen, die an einem Edelstahlseil oder einer Rankhilfe aus Holz klettern. »Ökolöwe« arbeitet mit einer Fachfirma zusammen, die viele Tipps gibt und auch die Pflanzen stellt. Bis zu fünf Pflanzen erhält jeder Interessent kostenlos, die Vor-Ort-Beratung gibt es ebenfalls gratis dazu.

Jens Höpfel vom italienischen Restaurant »Fratelli« im Leipziger Stadtteil Schleußig nutzt die üppige Begrünung durch Wein und Blauregen für mehr Kühle: »Wir haben große Fenster, im Sommer war es unerträglich heiß. Seitdem wir die Pflanzen haben, ist es viel angenehmer.« Sitzt man im Restaurant, schaut man ins Grün. Höpfel musste beim Besitzer des Hauses zuvor eine Genehmigung einholen. Etwa acht Stunden im Monat wendet er für das Verschneiden der Pflanzen auf. Beliebt ist das dichte Grün auch bei den Spatzen. Die nisten gerne hier - hinterlassen aber auch ihre Spuren auf den Fensterbrettern. Als es zu viele wurden, war das problematisch. Ein schwarzer Rabe aus Plaste verschafft sich nun Respekt. Jetzt ist die Zahl der nistenden Vögel ausgewogen.

Die Pflanzen lassen sich auch am Bürgersteig setzen, dazu bedarf es aber einer Genehmigung durch das Verkehrs- und Tiefbauamt, denn es muss ein wenig Pflaster entnommen werden. Generell lässt sich nahezu alles begrünen: Garagen, Containerplätze, Kindergärten, Rad-Abstellplätze. Besonders gut geeignet sind auch Brandmauern, also Fassaden ohne Fenster. Heinichen: »Hier gibt es noch viel zu tun in Leipzig.«

Auch andere Städte haben die Nützlichkeit von Fassadenbegrünung erkannt. Die Stadt München finanziert Pflanzen und Rankhilfen, allerdings nur in der Innenstadt, Düsseldorf hat ein Förderprogramm zur Dach-, Fassaden- und Innenhofbegrünung aufgelegt. In Halle wird der Stadtrat voraussichtlich am 25. Oktober über die Förderung der Fassadenbegrünung beraten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Informationen im Internet: www.kletterfix-leipzig.de/

Beratung: Umweltbibliothek, Haus der Demokratie, Bernhard-Göring-Str. 152, Telefon 0341-3065-114

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