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»Es war apokalyptisch«

Feuerwalze in Kalifornien tötet mindestens zehn Menschen und vernichtet 1500 Häuser

  • Von Barbara Munker, Santa Rosa
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Feuerwalze kam völlig überraschend, mitten in der Nacht. »Ich sah diese riesige, orange Wand im Dunkeln vor mir«, erzählt Victoria Fleming. »Und dann machte es Bumm!Bumm!, als die Propangas-Flaschen explodierten«, beschreibt die 36-jährige Sozialarbeiterin das nächtliche Flammeninferno nahe ihres Hauses in Santa Rosa. Schnell Ausweise, Computer und ein paar Kleidungsstücke gepackt. Mit Mann, dreijähriger Tochter und Hund hätte sie rasch die Flucht ergriffen, schildert Fleming Stunden später. Bei der Fahrt zu ihrer Mutter ins rund 100 Kilometer entfernte San Leandro bei Oakland sei Asche auf sie heruntergeregnet. Am Montagabend bangte die Familie in sicherer Entfernung um ihr Haus in Santa Rosa. »Es liegt mitten in Brandzone. Wir wissen nicht, ob es noch steht«, sagt Fleming. »Wir haben Glück, dass wir noch leben.«

Mindestens zehn Menschen sind der Feuerwalze nicht entkommen. Allein sieben Tote gab es im Bezirk Sonoma County, wie die Polizei in der Weinbauregion am Montag mitteilte. Die Behörden befürchten weitere Opfer, wenn das ganze Ausmaß des Infernos bekannt wird.

»Es war apokalyptisch«, schildert John LemMon im Weinort Glen Ellen dem »San Francisco Chronicle«. Er habe bis in die Nacht auf dem Dach seines Hauses mit dem Gartenschlauch Flammen und glühende Asche gelöscht. Dann sei er um Mitternacht mit seiner Familie geflüchtet.

Bei starkem Wind hatten sich mehr als ein Dutzend Brände über Nacht rasch ausgebreitet. Sie schlugen Zigtausende Menschen in die Flucht. Nach Schätzungen sollen 1500 Gebäude abgebrannt sein. Fernsehbilder zeigen eine glimmende Mondlandschaft, wo einst kleine Reihenhäuser standen. Aus der Asche ragen nur noch gemauerte Schornsteine empor, Autos sind zu Blechhüllen verkohlt.

Es trifft Arme und Reiche gleichermaßen. Das Luxushotel Fountaingrave Inn in Santa Rosa sei Opfer des verheerendes Feuers geworden, heißt auf der Webseite des Hotels. Unweit davon brannte ein Trailerpark mit Wohnmobilen ab, eine Bleibe für überwiegend ältere Menschen, die von Sozialhilfe leben. Mehr als 100 Behausungen seien zerstört worden, sagte Mitarbeiter Jim Cook. Es sei ein Wunder, dass alle Menschen in der Anlage gerettet wurden.

Der Rauch von den Buschfeuern war auch im knapp 100 Kilometer entfernten San Francisco zu riechen und zu sehen. Gewöhnlich pilgern von dort Ausflügler in die idyllische Weinregion. Daran ist vorerst nicht zu denken. Polizei und Feuerwehr wiesen Besucher an, die Gefahrenzone zu meiden. Für Santa Rosa wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, auch um Plünderer abzuhalten. Viele Weingüter sind geschlossen, wie das herrschaftliche Chateau St. Jean in Kenwood, so der Hinweis auf der Webseite Landsitzes. Dem »San Francisco Chronicle« zufolge erlitt das Gebäude schwere Schäden. dpa/nd

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