Der Erziehermangel bleibt

Senat beschließt weitere Verbesserungen in den Kitas - und sieht Bezirke in der Pflicht

50 000 Kitakinder mehr als vor einem Jahrzehnt gibt es. Aber wer soll sie betreuen?
50 000 Kitakinder mehr als vor einem Jahrzehnt gibt es. Aber wer soll sie betreuen?

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) teilt aus. »Die Zeiten sind vorbei, in denen man sich das Personal aussuchen kann, das die freien Träger ausbilden«, sagt sie. Gemeint sind die von den Bezirken getragenen Kindergarten-Eigenbetriebe, die nach Meinung der Senatorin viel zu wenig ausbilden. Nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich seien sogenannte Quereinsteiger dort beschäftigt, die berufsbegleitend zum vollwertigen Erzieher ausgebildet werden sollen. »Dabei gibt es sehr viel Interesse am Quereinstieg, doch die Rückmeldung ist, dass Praxisplätze fehlen«, empört sich Scheeres. Der Senat habe die Rahmenbedingungen geschaffen, um dem Personalmangel mit Quereinsteigern zu begegnen, nun sei es an den Bezirken, diese Möglichkeit auch zu nutzen: Bis zu ein Drittel der Erzieher dürfen Quereinsteiger sein.

»Die Eigenbetriebe nehmen ihre Verantwortung auch gegenüber den Mitarbeitern wahr«, sagt hingegen Christiane Weißhoff von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Denn: 33 Prozent Quereinsteiger sei eine viel zu hohe Quote. »Jede nicht voll ausgebildete Kraft bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Mitarbeiter«, sagt Weißhoff. Sie arbeitet bei den Kindergärten City, einem der fünf Eigenbetriebe im Land. Fünf bis zehn Prozent Quereinsteiger arbeiten in den städtischen Kitas. Allein bei den Kindergärten City seien rund 100 Stellen nicht besetzt, berichtet die Gewerkschafterin. Dabei gebe es permanent Ausschreibungen. Bei der Ausbildung arbeite man mit der Fachschule Pro Inklusio zusammen.

»Bei vielen Freien Trägern werden die Beschäftigten einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Die müssen dann sehen, wie sie mit den zusätzlichen Belastungen klarkommen«, sagt Weißhoff. Für Sandra Scheeres zählt letztlich nur ein Argument. »Wenn ein Kind überhaupt keinen Kitaplatz hat, bekommt es gar keine Bildung über den Kindergarten«, sagt sie.

Doch eigentlich geht es bei der Senatspressekonferenz um Erfreuliches. Der Senat hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der eine bessere Personalausstattung und mehr Rechte für die Eltern bringen soll.

Für die Eltern das Wichtigste: Ab dem Jahreswechsel haben ihre Kinder ab dem ersten Geburtstag ein Rechtsanspruch auf sieben Stunden kostenlosen Kitabesuch pro Tag und zwar ohne Bedarfsprüfung. »Das ist wichtig, gerade für Kinder aus sozial benachteiligten Familien«, sagt Scheeres. Bisher war dieser Anspruch auf fünf Stunden pro Tag begrenzt, wer mehr wollte, musste sich auf einen Papierkrieg einstellen. Die Senatsverwaltung rechnet mit rund 19 Millionen Euro Mehrkosten.

Ab dem 1. August 2018 werden auch die häufig mehr oder minder freiwillig gezahlten Zuzahlungen gesetzlich geregelt. »Dabei geht es um die regelmäßigen Zahlungen, nicht um Ausflüge oder Ähnliches«, stellt Scheeres klar. Bis zu 600 Euro monatlich müssen Eltern bisher drauflegen, um einen Yogakurse oder speziellen Sprachunterricht zu ermöglichen. »Der Senat bezahlt für Betreuung und Bildung der Kinder. Zuzahlungen sollten eine Ausnahmesituation sein«, sagt die Bildungssenatorin. Künftig werde es für ihre Verwaltung transparent sein. Auch werde es eine Möglichkeit geben, Obergrenzen festzulegen, die Scheeres im zweistelligen Eurobereich pro Monat sieht.

Auch für die Beschäftigten sind Verbesserungen vorgesehen. Für Leitungsaufgaben ist mehr Zeit vorgesehen, ebenso für die Anleitung von Erziehern in der berufsbegleitenden Ausbildung.

Trotz des nach wie vor bestehenden Fachkräftemangels ist in den vergangenen Jahren einiges geleistet worden. Seit 2012 stieg die Zahl der Beschäftigten in den Kitas um 30 Prozent auf nun 28 816. Für Scheeres ein Beleg dafür, dass man von einem sich anhaltenden Personalmangel nicht entmutigen lassen sollte.

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