Steigende Mieten sorgen Senioren

»Das größte Problem älterer Menschen auf dem Wohnungsmarkt ist sicherlich die ständig steigende Mietbelastung«, sagte Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes am Mittwoch im Abgeordnetenhaus. Sozialsenatorin Elke Breitenbach, Bausenatorin Katrin Lompscher (beide LINKE) und Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) hatten Mieterverbände sowie rund 200 Senioren zur Debatte eingeladen.

Ropertz sagte, Ältere mit geringem Einkommen seien besonders von Mietsteigerungen betroffen. Viele wohnten zudem noch in einer relativ großen Wohnung, dann machten sich Erhöhungen pro Quadratmeter besonders bemerkbar. Senioren suchten im Regelfall nicht mehr nach einer Wohnung, sondern wollten in ihrem Zuhause bleiben. Das sei ein Vorteil im Vergleich zu jungen Menschen, stellte Ropertz fest. Allerdings sei fraglich, ob sie dazu beispielsweise angesichts höherer Mieten nach einer Modernisierung noch in der Lage sind. Oft könnten die Renten mit den Steigerungen nicht mithalten.

Dass der Mietenmarkt für alle Altersklassen schwierig ist, weiß auch Eveline Lämmer. Sie ist Vorsitzende des Landesseniorenbeirats und kennt durchaus Ältere, die bereit seien, in kleinere Wohnungen zu ziehen, um Familien Platz zu machen. Kleinere Wohnungen seien bei Neuvermietungen aber oft wesentlich teurer als größere Wohnungen zu alten Konditionen. »Die Anregung erstickt im Keim.« Die im April abgeschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen dem Senat und den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sieht vor, den Wohnungstausch zu erleichtern. Bisher haben die Unternehmen allerdings keine größeren Anstrengungen unternommen, dies auch tatsächlich zu fördern. Schließlich bedeutet ein neuer Vertrag höhere Mieteinnahmen.

Bausenatorin Katrin Lompscher rät, sich zum Beispiel wegen drohender Mietsteigerungen nach einer Modernisierung dringend rechtlich beraten zu lassen. »Mieter müssen sich zusammenschließen«, sagte Lompscher. Es gebe etwa bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften auch Härtefallregelungen.

Nach Einschätzung des Berliner Mietervereins (BMV) zieren sich viele Rentner, notfalls Wohngeld zu beantragen. Bei älteren Leuten sei die Scham, staatliche Hilfe anzunehmen, noch größer, erklärte Geschäftsführer Reiner Wild. Dabei geht der Mieterverein ohnehin davon aus, dass über alle Altersgruppen hinweg nur die Hälfte der eigentlich Berechtigten einen Antrag stellt. Manche Ältere seien auch besorgt, nach mehreren Jahrzehnten aus ihrem Kiez verdrängt zu werden. Es gebe Fälle, wo Rentnern nach vielen Jahren gekündigt wird - etwa weil ein neuer Immobilienbesitzer Eigenbedarf anmelde, sagte Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Wild vom BMV warnte, in solchen Fällen herrsche oft ein Irrtum: »Weil viele glauben: Wenn man 80 ist, kann man nicht gekündigt werden.« Das Mietrecht kenne aber keine Altersgrenze. »Alles, was mit erzwungenem Umzug zu tun hat, wird im Alter als besonders dramatisch empfunden«, so Wild. Kontakte zu Ärzten, Freunden und Bekannten sei gefährdet. dpa/nd

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