Ping-Pong mit Polizei und Sprühdose

Beamte in Leipzig wiederholt mit Rassismusvorwürfen konfrontiert / Grotesker Streit um Graffiti an Connewitzer Sportanlage

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

Was soll das hier?

Sei auch du solidarisch und unterstütze linken Journalismus mit einem freiwilligem Abo, einer Spende - oder noch besser entscheide dich für ein Digitalabo.

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...

Bernd Merbitz zürnt. Als Stimmungsmache, Stigmatisierung und »Unverschämtheit« bezeichnet der Leipziger Polizeipräsident den Vorwurf, seine Truppe sei rassistisch. Dagegen, erklärte der Polizeiführer dieser Tage in einer langen Mitteilung, verwahre er sich ganz entschieden.

Der Vorwurf steht im Raum, seit zwei Referenten einer kürzlich in der Stadt ausgerichteten Konferenz über Migration und Entwicklung von Polizisten höchst unsanft aus ihren Betten geholt wurden. Die beiden Männer aus Kamerun wurden dabei nach eigenen Aussagen rüde angefasst, einer gar in Handschellen gelegt. Merbitz verweist zur Begründung des Einsatzes auf den Anruf eines Nachbarn, dem nächtlicher Besuch in der Wohnung einer Tagesmutter aufgefallen sei. Einer der Männer habe sich aggressiv verhalten. Die Organisatoren der Konferenz widersprechen energisch. Richard Djif, einer der betroffenen Referenten, fragt, ob die Beamten ebenso gehandelt hätten, wenn ihnen »eine weiße Person die Tür geöffnet hätte«.

Dass Merbitz auf den Vorwurf so empfindlich reagiert, mag auch in vorangegangenen Vorfällen begründet sein. Zum einen war seine Truppe nur Tage zuvor bereits mit einer Pressemitteilung angeeckt. Diese berichtete über einen wiederholt straffällig gewordenen Mann aus Libyen - unter der Überschrift »Straftatbegehung als Form der Begrüßungshandlung?« Es hagelte Kritik; die Polizei rede der AfD nach dem Munde, hieß es - ausgerechnet am Tag nach deren Erfolg bei der Bundestagswahl. Daraufhin ruderte die Behörde zurück: Der »wertende Charakter« werde eigenen Ansprüchen an Objektivität und Sachlichkeit nicht gerecht, hieß es kleinlaut.

Ein Wort, das Kritiker der Behörde in beiden Fällen umgehend unter die Nase rieben, ist »Polizeirassismus«. Es spielt an auf einen verbalen Ausrutscher, den sich Beamte im Zuge eines bizarren Scharmützels in der Leipziger Südvorstadt leisteten. Dort ist an einer Basketballanlage zu lesen: »No Cops. No Nazis. Antifa-Area«. Zumindest der erste Teil der Aufschrift ist der Polizei ein Dorn im Auge. Sie ließ ihn übertünchen - was freilich nicht lange hielt: Die Wörter tauchten wieder auf. Nachdem sie erneut entfernt worden waren, wurde der Ort des Geschehens zeitweise bewacht - durch Beamte des »Fachdiensteinsatzzuges Lebensbedrohliche Einsatzlagen«.

Das sorgte für mediale Aufmerksamkeit, diese wiederum für bissige Kommentare - durch die sich die Polizisten wohl genervt fühlten. »Wenn es dort keinen Polizeirassismus mehr gibt«, hieß es am 17. September auf Twitter mit Bezug auf die Sportanlage, »können wir uns auch um andere Sachen kümmern«. Es entbrannte ein hitziger Austausch, in dem unter anderem angemerkt wurde, dass »Polizei« eine Berufsgruppe und keine »Rasse« sei - in dessen Verlauf aber dann von Seiten der Beamten sogar unterstellt wurde, mit dem Graffiti werde »eine No-go-Area für Polizisten propagiert«; immerhin habe es in dem Leipziger Stadtteil »mehrfach Übergriffe« gegeben. Der Begriff »No-go-Area« wird üblicherweise auf Gegenden angewendet, in denen Nazis so präsent sind, dass sie von Menschen, die von Rassismus betroffen sind oder etwa linksalternativen Jugendlichen aus Vorsicht gemieden werden.

Inzwischen ist das Fahrzeug des »Einsatzzugs« abgerückt. Wie viele Beamte wie lange eingesetzt waren, um den Ballsportplatz zu bewachen, bleibt unklar; auf Anfrage der LINKEN-Abgeordneten Jule Nagel erklärte das Innenministerium, eine »gesonderte Erfassung des Personal- und Zeitaufwandes« sei nicht erfolgt, die Bewachung vielmehr »im Rahmen des täglichen Dienstes« abgewickelt worden. Auch die Frage, welche Delikte in dieser Zeit festgestellt, welche »politische Einordnung« erfolgt sei und ob Strafverfahren eingeleitet wurden, beantwortete das Ministerium nicht.

Derweil geht das Ping-Pong-Spiel mit der Sprühdose weiter. Im Wettstreit um das Entfernen und erneute Anbringen des »No Cops«-Schriftzuges steht es aktuell 6 : 6.

Werbung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Jetzt aber schnell!

Schenken was wirklich Freude macht. Für diejenigen, die schon alles haben, oder auf kapitalistischen Überfluss verzichten wollen.

Jetzt bestellen oder verschenken