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Starker Protest

Alexander Ludewig rät Hertha BSC: mehr Mut und weniger Marketing

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

Zwei Worte reichen, um den sportlichen Teil des Sonnabends im Olympiastadion zu beschreiben: »Ein Scheißspiel!« So fasste Berlins Mittelfeldspieler Per Skjelbred das 0:2 von Hertha BSC gegen Schalke zusammen. Danach ging es viel um Werte, Tradition, Vereinsphilosophie und Identifikation. Dass Herthas Klubsprecher Marcus Jung dazu noch recht viel Aufklärungsarbeit leisten musste, hat zwei wesentliche Ursachen.

Erstens: Der Anlass ging etwas unter. Als sich die Mannschaft von Hertha BSC vor dem Anpfiff geschlossen zum Kniefall auf den Rasen begab, wusste kaum jemand warum. Die Botschaft des Stadionsprechers verlor sich im Olympiastadion irgendwo zwischen der defekten Lautsprecheranlage und dem Lärm der 50 000 Zuschauer auf den Rängen. Es war ein Zeichen der Solidarität mit den vielen Sportlern in den USA, die während der Nationalhymne nicht stehen, sondern knien. Aus Protest gegen Rassismus und Diskriminierung in ihrem Land. Marcus Jung erklärte: »Wir sind ein Teil der weltweiten Sportgemeinschaft.« Hertha BSC wolle mit dieser Aktion ein Zeichen setzen und diese Form des Protests in die Bundesliga holen.

Eine sehr gute Idee. Noch stärker wirkt der Protest dadurch, dass er eben nicht Teil einer dieser seltenen, aber angeordneten und seelenlos wirkenden Kampagnen von Verbänden wie dem DFB oder der DFL war.

Apropos Kampagnen - und damit zum zweiten Punkt. Werte, Tradition und Vereinsphilosophie? Dass es durchaus schwierig ist, sich mit Hertha BSC zu identifizieren, liegt am Klub selbst. Der beauftragt eine Werbeagentur, die ihm Jahr für Jahr ein neues Image verpasst. Die alte Dame will modern sein. »Berlins ältestes Start-up« - das war Hertha BSC in der vergangenen Saison.

Ebenso zweifelhaft ist die Kampagne für diese Spielzeit. Zur peinlichen Lachnummer wurde sie am Sonnabend. »Auf Berlin kommt Großes zu. Aber heute erstmal Gelsenkirchen«, stand auf dem Programmheft zum Spiel. »Na dann mal viel Glück bei den großen Dingen, die jetzt kommen«, wünschte Schalkes Manager Christian Heidel den chancenlosen Berlinern nach dem verdienten 2:0 seiner Mannschaft.

Mehr Mut - wie beim Kniefall - und weniger Marketing könnte man Hertha BSC auch wünschen.

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