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Eine Beerdigung voller Fröhlichkeit

Uschi Brüning und Charles Brauer über ihre »Hommage an Manfred Krug« im Konzerthaus

  • Von Martin Hardt
  • Lesedauer: 4 Min.

Sie beide waren mit Manfred Krug sehr lange befreundet und stehen nun mit seinen Lieblingssongs auf der Bühne. Wie fühlt sich das an?
Charles Brauer: Wir stellen ihn uns vor, wie er da auf Wolke sieben sitzt und sich freut. Hoffentlich!
Uschi Brüning: Na ja. Während des Singens darf ich gar nicht zu sehr an ihn denken. Bei den Soli wird aber hier und da ein leichter Kloß im Hals zu spüren sein. Das lässt sich nicht vermeiden, bei so einem Mann wie Manfred Krug.
Brauer: Natürlich schwebt das über so einem Abend. Aber es wird keine Trauerveranstaltung. Im Gegenteil.
Brüning: Bei den Kollegen, die da auf der Bühne stehen, kann es wie bei Louis Armstrong werden. Eine Beerdigung voller Fröhlichkeit.

Herr Brauer, haben Sie schon vor Ihrer Tatort-Zeit mit Manfred Krug gesungen?
Brauer: Als Schauspieler bleibt das nicht aus. Ich habe viele Male den Higgins in »My fair Lady« gegeben, auch wenn das ja eher Sprechgesang ist. Auf der Tour singe ich nur »Das Lied mit einem Ton«, das ich mit Bill Ramsey und der Manfred Krug Band eingespielt habe. Ich moderiere den Abend. Bekanntermaßen waren Manfreds und meine gesanglichen Auftritte dem Zufall geschuldet. Eine Redakteurin hörte uns in den Drehpausen trällern. Dass mit diesen kurzen Einlagen im »Tatort« 2001 eine CD entstand, hat uns alle erstaunt. Manfreds Musikkarriere begann danach aber auf ein Neues.

Woher kam ihr Interesse am Jazz?
Brauer: Ich bin, wie Manfred, damit groß geworden. »Ach, die Nummer kennst du auch!« Der Satz ist bei uns oft gefallen. Ich kam aus der Schule und hörte AFN. Vielleicht hatte mich mein Vater schon für den Jazz empfänglich gemacht. Er spielte in den zwanziger Jahren Schlagzeug in Swingbands. Diese Musik war unter den Nazis verboten. Aber ich erinnere mich noch an seine vielen Schellackplatten.

Frau Brüning, die »Zeit« widmete vor kurzem der wachsenden jungen Jazzszene ein Magazin. Entspricht das auch Ihren Erfahrungen?
Brüning: Das stimmt, ja. Das Publikum der ab 25-Jährigen, das die Live-Atmosphäre des Jazz zu schätzen weiß, wächst. Es gibt ja wieder viele Bands, die Erholung vom Üblichen bieten. Wie sich ein Stück live zwischen den Musikern entwickelt, das kann man am besten beim Jazz erleben. Hier wird improvisiert und miteinander immer wieder neu agiert.

Ein Kartenservice schreibt über Ihre Tour, dass man auf ihr auch erleben könne, wie sich der Zeitgeist des Jazz von Manfred Krug im Laufe der Zeit verändert habe.
Brüning: Zeitgeist ist ein großes Wort, aber wenn damit gemeint ist, dass sich der Jazz immer auf Aktuelles bezieht und damit politisch ist, dann kann man das so sagen. In der DDR hatte er etwas Oppositionelles. Das ist heute nicht anders.
Brauer: Da muss man sich schon fragen, warum die Jazzangebote im Radio hierzulande so kläglich sind. In der Schweiz, wo ich lebe, in Holland und Frankreich ist das anders.

Würden Sie das unterschreiben, Frau Brüning?
Brüning: Was das Radio betrifft, hat er Recht. Ich hatte mit meinem Mann Ernst-Ludwig Petrowsky beim Deutschlandradio Kultur eine Sendung, in der wir viel Zeit hatten, auch den zeitgenössischen Jazz vorzustellen. Das gibt es nur noch selten. Dabei ist der Jazz eine so lebensnahe Musik.

Ich habe das Gefühl, dass heute junge jazzaffine Leute lockerer mit den Musikgenres umgehen. Die Jazzszene hatte einmal mitunter fundamentalistische Züge. Lucia Cadotsch, die in diesem Jahr den Echo-Jazz-Award erhielt, für den Sie, Frau Brüning, ebenfalls nominiert waren, singt auch in der Band Yellowbird, die einen sehr speziellen amerikanischen Folk macht.
Brüning: Das ist heute ganz üblich, und ich finde das gut. Erwärmen kann ich mich aber nur für das, was Sie fundamentalistisch genannt haben. Die jungen Leute gehen mit ihren Idolen heute lockerer um. Ich habe sie noch vergöttert. Das kann mir aber auch heute noch passieren.

Hat das nicht auch etwas mit dem Musikmarkt zu tun? Früher gab es fast nur große Plattenlabels, heute sind es viele kleine, die Nischen besetzen können.
Brüning: Die haben aber auch alle zu kämpfen. Man macht als professioneller Musiker Platten nicht nur aus Spaß. Mir gefällt es, dass die großen Labels Konkurrenz bekommen haben. Bei denen gibt es das kaum noch, dass allein musikalische Qualität entscheidet oder junge Leute gefördert werden. Auch mit dem Internet gehen die jungen Leute ihren Weg und brauchen die Monopolisten nicht mehr.

Herr Brauer, trauern Sie einer eventuell verpassten Musikkarriere nach?
Brauer: Wenn ich bei der Tatort-CD dreißig gewesen wäre und, vielleicht mit der Hilfe von Manfred, einen Pianisten gefunden hätte. Ich war aber schon Mitte Sechzig. Da gehst du doch nicht mehr in eine andere Branche.
Brüning: Ich freue mich sehr, dass du dabei bist. Du hattest so eine Nähe zu Manfred. Mit dir auf der Bühne ist er fast fleischlich neben mir.

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