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Zum Dank gibt’s weniger Geld

Nationale Armutskonferenz berichtet über finanzielle Lage von Frauen in Deutschland

  • Von Florian Brand
  • Lesedauer: 3 Min.

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Frauen sind noch immer deutlich öfter armutsgefährdet als Männer. Zu diesem Schluss kommt die Nationale Armutskonferenz. Die Gründe dafür: Die Verknappung von existenzsichernden Arbeitsplätzen sowie die Tatsache, dass Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik an einem Familienmodell orientiert seien, das noch immer Männer für die Haupternährerrolle vorsehe und Frauen lediglich als Zuverdienerin.

Nötig sei deshalb, den Gender-Pay-Gap zu schließen, also »mehr Vollzeitjobs für Frauen bei gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit« zu schaffen, fordert die Armutskonferenz. Darüber hinaus müssten Berufe, in denen besonders viele Frauen beschäftigt seien, etwa im Einzelhandel oder im Sozial- und Gesundheitswesen, finanziell aufgewertet werden. Außerdem dürfe die Sorgearbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige keine Ursache mehr für Armut sein. Gründe für weibliche Armut seien vielfältig, sagte die Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz, Barbara Eschen. Frauen seien engagiert, kümmerten sich um die Kinder, pflegten altgewordene Angehörige oder wirken ehrenamtlich in Kindertagesstätten oder Schule mit. »Als Dank ernten sie schlechte Rückkehrchancen in den Beruf, prekäre Arbeitsverhältnisse und deutlich geringere Renten«, so Eschen.

Besonders Alleinerziehende sind nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung arm oder armutsgefährdet. In neun von zehn Fällen ist der alleinerziehende Elternteil die Mutter. Davon sind mehr als 40 Prozent auf Sozialleistungen angewiesen. Das liege vor allem an fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder, weswegen Mütter oft nur gering bezahlte Teilzeitjobs annehmen könnten. Doch selbst Teilzeitarbeit klappt häufig nicht und so sind Alleinerziehende mehr als doppelt so häufig erwerbslos wie die Gesamtheit der Erwerbsfähigen. Jede zweite Alleinerziehende, die Sozialleistungen beziehe, verfüge darüber hinaus über keine abgeschlossene Ausbildung und somit über schlechtere Chancen, einen Beruf zu ergreifen, der die Existenz der Familie sichert, so die Studie.

Wie die Bertelsmann-Stiftung außerdem herausfand, wird das Armutsrisiko von Alleinerziehenden dadurch verschärft, dass nur die Hälfte überhaupt Unterhalt vom anderen Elternteil erhält und dieser obendrein häufig unterhalb des festgelegten Unterhaltsanspruchs bleibt. Der staatliche Unterhaltsvorschuss, der die ausbleibenden Zahlungen kompensieren soll, war jüngst reformiert worden und wird nun nicht mehr bloß sechs Jahre lang, sondern notfalls durchgehend bis zum 18. Lebensjahr des Kindes ausgezahlt.

Inwieweit die Reform die Situation von Alleinerziehenden verbessert, bleibt abzuwarten. Da der Vorschuss auf Hartz-IV-Leistungen angerechnet wird, hilft die Reform Aufstockerinnen und Erwerbslosen nicht, monieren Fachleute.

»Es kann zu Wechselwirkungen mit anderen Sozialleistungen kommen, so dass Leistungen gekürzt werden oder Ansprüche entfallen«, erklärte Helga Jäger vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) in Bayern. Zwar zeigte sie sich erfreut über die 350 Millionen Euro teure Reform, gleichzeitig kritisierte sie aber auch, dass sich die Vorschusshöhe weiterhin auf den Mindestunterhalt bezieht: »Egal, wie hoch das Einkommen des Unterhaltspflichtigen ist.« Auch kämen eben nicht alle Minderjährigen ab zwölf Jahren in den Genuss von Vorschussleistungen. Auch, dass der Unterhaltsvorschuss auf das Kindergeld angerechnet wird, lehnt der Verband alleinerziehender Mütter und Väter ab.

Die Nationale Armutskonferenz ist ein Bündnis verschiedener Organisationen. Zu den Mitgliedern gehören Gewerkschaften, Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und Selbsthilfeorganisationen.

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