Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Geflüchtete Journalisten netzwerken

Projekt »Media Residents« eröffnete im nd-Haus einen Arbeitsraum für Medienschaffende aus dem Ausland / Erste Workshopwoche im November

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 2 Min.

»In deutschen Medien wird oft über Flüchtlinge gesprochen, selten kommen sie jedoch selber zu Wort«, sagte der syrische Journalist Ahmad Denno zum »nd«. Mit seinem hauptsächlich arabisch-sprachigen Online-Magazin »eed be eed« will er das ändern und Neuankömmlingen in Berlin eine Plattform bieten. Denno war 2014 als 23-Jähriger von Aleppo in die Bundeshauptstadt geflohen. In Syrien hatte er als Werbefachmann gearbeitet, doch in Deutschland fand der Geflüchtete über ehrenamtliche Übersetzungsarbeit schnell Interesse am Journalismus. Per Crowdfunding konnte er schließlich genügend Geld für die Onlinezeitung einsammeln - »ein Projekt, indem Flüchtlinge ihre eigenen Ideen umsetzen sollen«.

Für journalistische Arbeit braucht es jedoch handwerkliche Fähigkeiten und auch spezielles Wissen, etwa um das deutsche Presserecht. Dennos Magazin stellt deswegen zwei der 25 Experten, die im Rahmen des »Media Residents«-Projektes ihre Erfahrungen in Workshops an Geflüchtete weitergeben wollen. Im Rahmen von zwei Ausbildungswochen soll in Berlin ab Anfang November das notwendige Wissen vermittelt werden.

In 72 englischsprachigen Unterrichtseinheiten geben Experten etwa Workshops zu Vermarktung von Medieninhalten, zur Erstellung von Youtube-Videos oder zu Podcasts. Die Linke Medienakademie, die Jugendpresse Deutschland und das CommunityCamp bieten zudem Kurse zu Fotografie und Sozialen Medien an. Finanziert wird das Projekt der Initiative »Gesicht Zeigen!« vom Justizministerium. »Jeder Journalist soll durch uns seinem Ziel näher kommen«, sagte Bastian Koch, der Projektmitarbeiter von »Media Residents«, gegenüber »nd«. »Das kann im einzelnen bedeuten, die Klickzahlen zu steigern, die Qualität der Texte und Videos zu verbessern oder beim Ausfüllen von Anträgen zu helfen.« »Media Residents« will als Schnittstelle zwischen Experten, geflüchteten Medienschaffenden, Vereinen sowie interessierten Unternehmen fungieren.

Das langfristige Ziel sei die Etablierung der Neuankömmlinge in der deutschen Presselandschaft - jedoch ohne dass ihnen dabei eine eingeschränkte Rolle auferlegt werde. »Die Flüchtlinge sollen nicht nur über Flüchtlingsthemen berichten, sondern auch über die Bundesliga und Konzerte«, sagte Koch.

Am Dienstag eröffnete das Projekt »Media Residents« auch einen Raum für gemeinsames Arbeiten. Im Berliner nd-Gebäude am Franz-Mehring-Platz gibt es fortan von Montag bis Freitag die Möglichkeit, an 20 Arbeitsplätzen journalistisch tätig zu werden. Technik für Video- und Audioprojekte kann unentgeltlich ausgeliehen werden, auch 14 Laptops stehen zur Verfügung. Koch ist von der gesellschaftlichen Wirkung der Initiative überzeugt. »Wir stellen die Gemeinsamkeiten von geflüchteten und einheimischen Medienmachern über die Unterschiede.« Gerade in Zeiten des Rechtsrucks sei dies unerlässlich.

Workshop I: 6.- 10. November; Anmeldung: media-residents.de/workshops

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln