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Theater der vergessenen Stücke

Im sächsischen Annaberg-Buchholz feiert eine ganz besondere Bühne ihren 125. Geburtstag

  • Von Claudia Drescher, Annaberg-Buchholz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Hin und wieder wird Ingolf Huhn auf den Straßen von Annaberg-Buchholz angesprochen: Was er denn in diesem Jahr ausgraben wolle, lautet dann die Frage. Dabei ist Huhn kein Archäologe, sondern Intendant des Eduard-von-Winterstein-Theaters. Abseits der großen Bühnen im Freistaat hat sich das Haus im Erzgebirge einen besonderen Ruf bei Opern- und Operettenfans erarbeitet. »Wir gelten inzwischen als Spezialisten für vergessene Opern des 19. Jahrhunderts«, erklärt der Intendant.

Dank derartiger »Ausgrabungen«, die auch im Programmheft so überschrieben sind, identifiziere sich die Stadt mit »ihrem« Theater. Zudem würden Kulturinteressierte deshalb gezielt das Erzgebirge ansteuern. Mindestens eine Inszenierung pro Spielzeit gelte einem seltenen Stück, welches sonst nirgends in Deutschland gespielt werde. Für die Jubiläumsspielzeit - das Haus feiert 2018 seinen 125. Geburtstag - haben sich die Theatermacher ein besonderes Unikat herausgepickt.

»Blossom Time« ist eine Operette, die laut Huhn in den USA fast Kultstatus besitze. Das Stück basiert auf dem »Dreimädlerhaus« - nach der »Fledermaus« die erfolgreichste Operette der Welt, übersetzt in 22 Sprachen, aufgeführt in 60 Ländern. Die amerikanische Variante, die als frühes Musical gilt, hat den Sprung zurück über den Atlantik jedoch nie geschafft. Bis jetzt. Als deutschsprachige Erstaufführung wird »Blossom Time« die Ausgrabung des Annaberger Theaters in der Spielzeit 2017/18.

Es gehe ihm darum, tolle Stücke jenseits der überall gezeigten Nummern anzubieten, meint Huhn. So stehe in der nächsten Saison eine der ersten Hans-Sachs-Opern auf dem Programm. Zuletzt habe man mit dem »Obersteiger« überzeugt. Angelehnt an bergmännische Motive habe man ein Stück inszeniert, dessen Titel viele Opernfans zwar kennen würden. »Aber die meisten haben es zuvor nie gesehen, weil es nirgendwo gespielt wird.« Außer in Annaberg, wo es im Dezember als Wiederaufnahme zu finden ist.

Seit 125 Jahren hat die Stadt mit rund 24 000 Einwohnern ein eigenes Theater. Das Haus schmückt nicht etwa das Zentrum wie bei vielen anderen sächsischen Bühnen. Das am 2. April 1893 eröffnete Theater schmiegt sich in einer Seitenstraße an einen Berg. Der Grund: Zur Gründung waren Annaberg und Buchholz noch getrennte Städte. Für ein gemeinsames Theater bestanden die Buchholzer auf räumlicher Nähe - und so steht es noch heute in der Buchholzer Straße.

Seinen jetzigen Namen trägt es erst seit dem Jahr 1981. Damals wurde das Theater nach einer umfassenden Sanierung wiedereröffnet und nach dem Schauspieler benannt, der die Geburtsstunde des Hauses in der Titelrolle von Goethes »Egmont« entscheidend mitprägte: Eduard von Winterstein. Sein Bild schmückt heute nicht nur das Theatercafé, sondern auch das Intendantenbüro.

Das Haus mit den Sparten Musiktheater und Schauspiel, das 1998 zusammen mit der Erzgebirgischen Philharmonie Aue in der Erzgebirgischen Theater und Orchester GmbH aufging, beschäftigt insgesamt 160 Mitarbeiter. Neben dem Stammsitz dient das Kulturhaus in Aue als zweiter Standort für Konzerte. Zudem werden der gesamte Erzgebirgskreis und das Naturtheater Greifensteine bespielt. »In diesem Sommer haben wir allein dort rund 60 Vorstellungen gegeben«, sagt Chefdramaturgin Annelen Hasselwander.

Mit einem Budget von 8,5 Millionen Euro, 80 000 bis 90 000 Zuschauern pro Spielzeit sowie 295 Sitzplätzen und einer Studiobühne für maximal 50 Zuschauer gehört das Erzgebirgstheater zu den kleineren Häusern in Sachsen. Zum Vergleich: Das Theater Plauen-Zwickau hat 18,5 Millionen Euro zur Verfügung und beschäftigt allein im künstlerischen Bereich 160 Mitarbeiter.

Die gesamte Jubiläumsspielzeit soll laut Intendant Huhn Interesse für das Gründungsjahr wecken, gleichzeitig aber auch ein breites Repertoire bedienen. Insgesamt sind mehr als 300 Vorstellungen geplant. Da der eigentliche Geburtstag auf den Ostermontag falle, werde etwas später am 5. Mai gefeiert: Mit einem Tag der offenen Tür, Straßentheater und einem Galaprogramm, bei dem Goethes »Egmont« und Lessings »Nathan der Weise« nicht fehlen dürfen - die beiden großen Rollen des Namensgebers. dpa/nd

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