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Die überschätzte Macht der Medien

Netzwoche

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An den beiden Rändern des politischen Spektrums (wobei, genau betrachtet, auf der rechten Seite das Spektrum mittlerweile bis in die Mitte der Parteien hineinreicht) gilt es als Gemeinplatz, dass »die« Medien ein Anhängsel der Mächtigen sind und Kampagnen betreiben, mit denen sie die öffentliche Meinung über den Syrien-Krieg, die NATO, Russland, Flüchtlinge, die EU oder den Klimawandel nicht nur beeinflussen, sondern grundlegend prägen. Wie Marionetten hängen die Medien an den Fäden der Mächtigen und wie Puppen plappern die Kritiklosen im Publikum alles nach.

Dabei ist der Kern dieser Kritik gar nicht einmal falsch: Nebensächliches wird in der Tat oft aufgeblasen und damit von anderen Themen abgelenkt. Medien, so die vielfach geäußerte Behauptung, haben eine ungeheure Macht. Auf zeit-online hegt Ulrich Schnabel an dieser These Zweifel. Mit Berufung auf eine aktuelle Studie schreibt er: »Die Antwort der Empirie ist ernüchternd: Selbst ein mediales Trommelfeuer schafft zwar kurzfristige Aufmerksamkeit, aber garantiert keine Wirkung. Mitunter erreichen die Berichte sogar das Gegenteil dessen, was die Journalisten eigentlich intendieren.«

Die Studie, die Schnabel meint, hat ein Team um den Hamburger Kommunikationswissenschaftler Michael Brüggemann zur Medienwirkung der Weltklimakonferenz in Paris 2015 erstellt. 1121 Bürger wurden dazu vor, während und nach dem Klimagipfel zu ihrer Einstellung zum Klimawandel befragt. Eigentlich, so Schnabel, sollte man meinen, dass der Gipfel nachhaltig und tiefgreifend in Meinungen und Einstellungen eingegriffen hat, schließlich sei »auf allen Kanälen« über das Ereignis großflächig berichtet worden. Viele Medien breiteten die Hintergründe der Klimaforschung aus, beschrieben das zähe Ringen um eine Einigung und feierten am Ende den Erfolg der in Paris erzielten Einigung.

Viel sei von dem »medialen Dauerfeuer« jedoch nicht hängen geblieben, schlussfolgert Schnabel aus der Studie der Hamburger Medienforscher: »Einige Befragte lernten während des Gipfels zwar die Ziele der Konferenz kennen (vorher kannten sie 28 Prozent der Deutschen, danach 36 Prozent)«, neue »Grundkenntnisse über Klimapolitik« hätten jedoch die meisten nicht dazu gewonnen. »Ebenso erstaunlich: Ein Viertel der Probanden bekam von dem Klimarummel gar nichts mit. Und achtzig Prozent war auch nach der Konferenz nicht klar, dass die CO2-Emissionen weltweit nicht etwa sinken, sondern eher immer noch steigen.« Die Forscher, so Schnabel, seien selbst überrascht gewesen, »dass trotz des immensen Aufwands der Medien so wenige Informationen über den Klimagipfel in der Bevölkerung ankamen«.

Das heißt jetzt nicht, dass Medien überhaupt keinen Einfluss auf Meinungen und Einstellungen der Menschen haben, man sollte aber von ihnen weder zu viel Aufklärung erwarten, noch ihnen zu viel Manipulationsmöglichkeiten unterstellen.

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