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Jugendliche engagieren sich gegen rechts

Informationsportal startet mit Diskussionsrunde neue online Themenreihe zu rechtextremer Gewalt in Berlin

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

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Was ist rechte Gewalt, und ist das in Berlin überhaupt ein Thema? Diese Fragen standen im Zentrum einer Diskussionsrunde, zu der das Informations- und Beteiligungsportal für Jugendliche »jup!Berlin« am Mittwochabend in das Medienkompetenzzentrum Pankow eingeladen hatte.

Die Jugendlichen wollten mit Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD), dem Rechtsextremismusexperten des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Michael Kohlstruck, und der Dezernatsleiterin für rechtsmotivierte Kriminalität beim Berliner LKA, Frauke Jürgens-El Hansali, ins Gespräch kommen. Fragen konnten dabei nicht nur aus dem Publikum gestellt werden, sondern auch von den Internetnutzer, die sich die Veranstaltung per Livestream vor dem heimischen Computer anschauten. Das Interesse war offenkundig groß. Rund 40 Teilnehmer waren gekommen, etwa 7000 User schauten den Livestream.

»Rechte Gewalt fängt dort an, wo Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung ausgegrenzt werden«, sagte Innensenator Geisel. Dabei gehe es nicht nur um physische Übergriffe, sondern auch um verbale Beleidigungen und Hasskommentare im Internet. Insbesondere im Netz hätten die Anfeindungen massiv zugenommen. »Rechte Gewalttaten steigen in Berlin weiter an. Das belegen die Statistiken. Damit müssen wir umgehen«, ergänzte Experte Kohlstruck.

Der Senat unternehme zwar bereits eine Menge im Sinne der Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus, dürfe aber die Jugendeinrichtungen in den Bezirken nicht vernachlässigen. »Dort werden die jungen Menschen direkt angesprochen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Jugendklubs mit ihren vielfältigen Freizeitangeboten in den Kiezen erhalten bleiben«, forderte Kohlstruck.

Ein Diskussionsteilnehmer wollte vom Innensenator wissen, was der Senat gegen die rechte Gewaltwelle in Neukölln unternehme. Dort kommt es seit Herbst 2016 immer wieder zu rechtsextremen Schmierereien, Beleidigungen und Brandanschlägen auf linke Einrichtungen. »Niemand kann hier mehr von Einzelfällen sprechen. Die Täter sind gut organisiert«, sagte Geisel.

Er könne kriminalistische Erfolge zwar nicht politisch erzwingen, aber er könne sich dafür einsetzen, dass die Sonderkommission der Polizei mit ausreichenden Ressourcen vor Ort ausgestattet ist, erklärte der Innensenator. Ihm sei es zudem wichtig, dass sich die Neuköllner klar und deutlich von den rechtsextremen Umtrieben in ihrem Bezirk distanzierten. »Es darf kein Umfeld geben, in dem sich die Täter mit ihren Taten akzeptiert fühlen«, sagte der Innensenator.

Jürgens-El Hansali vom LKA erklärte, dass es trotz der Sonderkommission schwierig sei, die Täter in Neukölln zu ermitteln. »Wir brauchen handfeste Beweise.«

Die Diskussionsveranstaltung war als Auftakt einer neuen Online-Themenreihe gedacht, mit der das Portal »jup!Berlin« seine jugendlichen Nutzer über rechte Gewalt aufklären will. Unter dem Titel »Auf Augenhöhe - Berlin gegen rechte Gewalt« will »jup!Berlin« in Kooperation mit der Berliner Landeskommission gegen rechte Gewalt Informationen und Argumentationshilfen zusammenstellen und Veranstaltungen zum Thema organisieren. »Es geht uns darum, den Jugendlichen erste Orientierungen zu geben«, sagte Lisa Dres, Projektleiterin von »jup!Berlin«.

In Gesprächen habe sie immer wieder festgestellt, dass viele ihrer Altersgenossen rechte Gewalt nicht als Problem ansehen würden. Mit der Themenreihe wolle man über neonazistische Strukturen in Berlin aufklären und Bewusstsein für die Bedeutung von Präventionsarbeit gegen rechts schaffen. »Wir wollen Informationen geben und die bereits existierenden Angebote in Berlin vorstellen«, sagte Dres.

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