Selbstkritik

Es sind nicht immer nur die anderen, die Fehler machen - Gabriele Oertel ist heute ausnahmsweise selbstkritisch

  • Von Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 2 Min.

In dieser Kolumne soll es diesmal um Fehlleistungen gehen. Nein, keine Angst, Sie müssen sich über das Wochenende nicht noch einmal über Horst Seehofer und Angela Merkel, über Christian Lindner und Cem Özdemir, über Martin Schulz und Andrea Nahles oder über Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, Katja Kipping und Bernd Riexinger ärgern. Davon hatten Sie schließlich in der vergangenen Woche schon genug. Heute kritisieren wir ausnahmsweise mal nicht immer nur die anderen, sondern uns selbst. In der Hoffnung, dass die innere Einkehr vom »nd« irgendwann vielleicht tatsächlich Schule macht. Bei den anderen, versteht sich.

Ja, ich gestehe an dieser Stelle: Es ist mir peinlich. Ich habe mich in einem Beitrag um 20 Jahre verrechnet. Rudi Hinte aus Berlin hat völlig recht: Die Haager Landkriegsordnung wurde nicht vor 90, sondern vor 110 Jahren beschlossen. Zahlen sind eben für die meisten Journalisten immer wieder große Hürden, wir im »nd« haben für das Verrechnen fast schon Spezialisten. Gut, dass treue Leser immer über uns wachen.

Doch längst sind nicht alle so verständnisvoll wie der schon erwähnte ehemalige Ortschronist aus Berlin-Adlershof, der dem Hinweis auf die Rechenschwäche gleich noch - sozusagen als Zeichen der Versöhnung - ein dickes Lob für die Zeitung insgesamt folgen ließ. Manche Leser reagieren auf den Fehlerteufel richtiggehend allergisch. Oder laut und ohne jede Gnade. Wenn die allerdings wüssten, welche kreativen Wortschöpfungen ihnen erspart geblieben sind, wären sie uns vielleicht fürderhin gewogener. Beispiele gefällig? Na bitte doch.

Verhindert haben wir beispielsweise die Politechnische Oberschule, weil ein Teil der nd-Mannschaft selbige zum Glück noch besuchen durfte. Auch die Castro-Transporte schickten wir nicht auf Reisen, weil wir als linke Journalisten verständlicherweise jedwede diplomatische Verwicklungen mit Kuba vermeiden wollen. Und zum Leibwesen, dem schmalen Grad oder der angebotenen Wahre konnten wir uns auch beim besten Willen - obwohl derlei Abweichungen von Konrad Duden oder der soundsovielten Rechtschreibreform gewiss manchem Sprachaffinen unter Ihnen viel Freude bereitet hätte - nicht durchringen.

Wohl auch, weil die verursachenden Autoren keineswegs in böser Absicht handelten - mit Nichten sozusagen, wie neulich in einem Manuskript zu lesen war. Da aber partout nicht aufgeklärt werden konnte, ob der Verfasser es zuvor erfolglos mit Neffen versucht hatte, haben wir auch da kurzerhand eingegriffen. Sie merken es schon, Zensur, wohin man schaut. Ich hoffe, die Leser haben viel Spaß mit diesem wochen-nd - und finden nicht allzu viele Fehler. Auf die in der Politik können Sie durchaus weiter Ihre Aufmerksamkeit lenken.

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