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Die Ziegelsteinfassade immer im Blick

Der brandenburgische Baukulturpreis 2017 ging an das evangelische Gemeindehaus in Finsterwalde

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Jeden Morgen, wenn Jürgen Habermann seinen Computer hochfährt, Bleistifte spitzt und die Kaffeemaschine anlässt, wandert sein Blick aus dem Fenster auf ein Gebäude, das er gebaut hat. Es ist das Gemeindehaus der Kirche in Finsterwalde. Für den Entwurf hat der Architekt jetzt den brandenburgischen Baukulturpreis erhalten. Ausgelobt wird dieser Preis alle zwei Jahre von der Architektenkammer, dotiert ist er mit insgesamt 18 000 Euro vom Infrastrukturministerium. 39 Projekte aus den Jahren 2015 bis 2017 waren diesmal eingereicht worden. Der Hauptpreis ging an den Finsterwalder Architekten Jürgen Habermann, seinen Sohn Clemens sowie an Lukas Bartke »für den sensibel in einen historischen Gebäudebestand eingefügten Neubau des Gemeindehauses der evangelischen Kirchengemeinde«, so die Jury.

Sonderpreise gab es für das rundum verglaste Innovation Center 2.0 der Softwarefirma SAP, für die anspruchsvolle Tragwerkssanierung am Neuen Palais sowie für das Wissenschafts- und Restaurierungszentrum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten - alles in Potsdam. Das Finsterwalder Gemeindehaus ist kein großes Gebäude. Doch es steckt Liebe zum Details darin. »Wir haben viel probiert, Ideen aufgenommen und wieder verworfen. Das ist ja ein gesunder Entwurfsprozess«, sagt Jürgen Habermann. Doch dass sein Entwurf zur Ausführung kommt, war 2012 gar nicht so eindeutig. Das Büro Habermann hatte sich in einem Architekturwettbewerb nur knapp durchgesetzt. »In so einem Gemeindekirchenrat gibt es viele Meinungen und Geschmäcker, und so mussten wir auch um Verständnis ringen. Es war ein langwieriger Prozess.«

Dann gab es auch noch Schwierigkeiten im Genehmigungsverfahren. Das Bauwerk mit Stufengiebel und Flachdachentwässerung musste in Berlin genehmigt werden. »Unser Entwässerungsvorschlag stieß auf Widerspruch im kirchlichen Bauamt, man wolle lieber eine Außenentwässerung, um frühe Schädigungen zu vermeiden.« Doch die Architekten blieben bei ihrem Vorschlag und lieferten Alternativentwürfe, um zu zeigen, dass eine vollständige Außenentwässerung bei einem auf drei Seiten umschlossenen Bauwerk unmöglich sei. Dieser lange Findungsprozess führte dazu, dass alle wollten, dass es endlich weiterging. Es gab 2014 ein Zusammentreffen in Finsterwalde mit allen Beteiligten. Die Architekten leisteten Überzeugungsarbeit. Ein starker Impuls kam vom Pfarrer. »Er hat uns sein Vertrauen ausgesprochen.« Das Architektentrio nahm seine mit 8000 Euro dotierte Auszeichnung in Potsdam entgegen. »Ich war eigentlich total überrascht, weil ich weiß, wie viel gute Architektur eingereicht wurde«, sagt Habermann. Außerdem sei die Kommission an einem sehr verregneten Tag zu Besuch gewesen, für eine halbe Stunde. Es wirkte, als sei nicht so richtig Zeit. »Umso überraschter war ich, als ich von unserem Preis erfuhr. Ich hatte mehr Neugier erwartet, wir hätten gern mehr erzählt.«

Bei der Preisverleihung kam Habermann mit dem Präsidenten der brandenburgischen Architektenkammer Christian Keller ins Gespräch, und der lobte: »Wir hatten über den Tag schon einige Projekte besucht und plötzlich kamen wir am Nachmittag nach Finsterwalde und haben nochmal richtige Architektur gesehen.«

Jürgen Habermann plante das Gemeindehaus mit seinem Sohn Clemens und dessen Studienfreund Lukas Bartke. Der Vater hatte die beiden Absolventen der Bauhausuniversität Weimar - dort hatte Jürgen Habermann selbst bis 1984 studiert - gefragt, ob sie nicht zu dritt den Wettbewerb in den Semesterferien 2012 mitmachen wollen. Der Kontakt zu Weimar war nie abgerissen. Der Vater fährt jedes Jahr im Sommer zur Jahresschau »summaery«, den Entwurfsvorstellungen der Architekturstudenten in Weimar. »Das ist interessant. Da bleibt man nicht stehen. Es ist immer wichtig, sich auch mit der Architektur von Kollegen zu beschäftigen, mit jungen Leuten zu sprechen. Das hat große Wirkung, denn man wird oft nach dem Warum gefragt.«

Es ist bereits der zweite Preis für das Gemeindehaus. 2016 gab es einen Deutschen Ziegelpreis, konkret den Sonderpreis für innerstädtisches Bauen.

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