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Flüchtlinge bleiben in Hangars

Für Containerdorf auf Tempelhofer Feld lässt sich kein Betreiber finden

  • Von Marina Mai
  • Lesedauer: 3 Min.

Fast 1000 Container stehen vor dem Flughafengebäude in Tempelhof bereit. Dort könnten jene 200 Flüchtlinge einziehen, die noch in den nahe gelegenen Hangars wohnen. Auch Bewohner anderer Notunterkünfte sollen hier unterkommen. Für die Flüchtlinge wäre das nicht optimal, aber ein Fortschritt: Endlich hätten sie ein wenig Privatsphäre. In den Hangars sind die Wohnkabinen für Hunderte von Menschen nur durch mobile Aufsteller voneinander abgetrennt, man kann das Licht nicht an- und ausschalten, wann man möchte und kann nicht selbst kochen.

Bereits im Frühjahr hätten die Container bezogen werden sollen. Doch bis heute sind die Wohneinheiten weder fertig zum Einzug, noch gibt es einen Betreiber. Am Montag sollte die zweite Bauabnahme stattfinden, mit einem Ergebnis rechnet Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), aber erst in den nächsten Tagen. »Die erste Abnahme im Juli war gescheitert«, sagt er dem »nd«. »Von einem Mustercontainer abgesehen gab es noch keine Küchen. Überall waren Baugruben und andere Unfallquellen. Die Abwasserfrage war nicht geklärt.« Die Mitarbeiter des LAF, die Betten und Schränke in die Wohncontainer räumten, konnten das Areal nur mit Bauhelm betreten. »Wohnen für Familien war unter diesen Bedingungen ausgeschlossen.«

Doch selbst wenn die Container kurzfristig bezugsfähig werden sollten – es gibt noch ein zweites Problem: Bisher hat sich kein Betreiber gefunden. Eine erste europaweite Ausschreibung lief Langenbach zufolge ins Leere. Niemand hatte sich beworben. Tamaja, der Betreiber der Notunterkunft im Flughafengebäude, hatte der »taz« erläutert, das hätte daran gelegen, dass laut Ausschreibung ein Sozialarbeiter für 166 Bewohner zuständig sein sollte. In den meisten Unterkünften ist etwa die Hälfte die Regel. Am Montag war Tamaja telefonisch nicht erreichbar. Laut Langenbach gab es jedoch zwischenzeitlich eine zweite Ausschreibung, auf die sich mehrere potenzielle Betreiber beworben haben. »Unsere Aufgabe ist es nun, in einem gerichtsfesten Verfahren einen Bewerber auszuwählen«, sagt er und fügt hinzu: »Die Betonung liegt auf gerichtsfest.« In der Vergangenheit hatten unterlegene Bewerber schon Ausschreibungen angefochten.

Wie lange so ein Verfahren dauert, kann Langenbach nicht sagen. Es ist aber herauszuhören, dass er nicht mehr damit rechnet, dass die Container noch in diesem Jahr bezogen werden können: In seiner Auflistung neuer Unterkünfte für über 1000 Geflüchtete beispielsweise taucht das Tempelhofer Feld nicht auf.

Damit stellt sich allerdings die Frage nach dem Sinn der vier Containerdörfer auf dem Tempelhofer Feld. Denn laut Tempelhof-Gesetz sind sie nur eine vorübergehende Bebauung. Ende 2019 müssen sie abgebaut werden. Somit werden voraussichtlich nicht einmal zwei Jahre lang Menschen in den knapp 1000 Containern leben, für die man dann mühsam eine Versorgung mit Strom und Wasser organisieren musste. Aus baulichen Gründen haben die Container eine Lebensdauer von drei Jahren.

Könnte man da nicht das Tempelhof-Gesetz ändern? LINKEN-Landeschefin Katina Schubert sieht das skeptisch: »Es gab den Volksentscheid, das Tempelhofer Feld darf nicht bebaut werden. Die Container bis 2019 waren ein Kompromiss. Mehr geht nicht.« Canan Bayram von den Grünen ergänzt: »Das könnte Vertrauen der Zivilgesellschaft in die Politik zerstören. Es stellt sich sowieso die Frage, ob Wohnen in Containern eine gute Idee ist. Das Containerdorf ist eine Altlast des Ex-Senators Mario Czaja von der CDU.«

Derweil diskutieren das Land Berlin, der Bezirk Tempelhof-Schöneberg und der Betreiber Tamaja über eine Unterbringung von Obdachlosen in den Flughafenhangars im Rahmen der Kältehilfe. Das Land wünscht sich dort ab November 100 Übernachtungsplätze für Obdachlose. Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Integration und Soziales: »Es ist immer schwieriger, solche Plätze zu finden, weil die Zahl der Obdachlosen steigt, während es kaum freie Immobilien gibt. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem dafür zuständigen Bezirk und dem Betreiber eine Lösung finden.«

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