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Abkehr vom Streckensterben

Das Land setzt stärker auf die Schiene, geht aus dem Entwurf des Nahverkehrsplans hervor

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Zeit der Streckenstilllegungen soll in Brandenburg vorbei sein. »Neue Linien, mehr Züge, bessere Infrastruktur«, kündigte am Montag Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) an. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, stellte sie in Potsdam den Entwurf des Landesnahverkehrsplans 2018 vor, der in den kommenden sechs Wochen mit Kommunen, Verkehrsbetrieben und Verbänden sowie Bürgern beraten werden soll.

Vorgesehen ist, dass das Land Brandenburg künftig statt 31,5 Millionen Zugkilometer (2016) im Jahr 2022 rund 34 Millionen Zugkilometer bestellt. Das Problem dabei: Es sind vor allem die heute schon stark befahrenen Linien, die weiter »verdichtet« werden müssen. Aber, so die ausdrückliche Aussage der Ministerin: »Auch dort im Land, wo die Bevölkerungszahlen weiter sinken werden, erhöhen sich die prognostizierten Ansprüche an Bahn und Bus.« Man behalte das flache Land im Blick.

Um fünf Prozent haben die Passagierzahlen in der Region Berlin-Brandenburg innerhalb der vergangenen fünf Jahre zugenommen. Das sei »mehr als im Bundesdurchschnitt«, erklärte Schneider. Den von ihr vorgelegten Karten zufolge sind die Strecken nach Berlin in der Regel heute bereits an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt oder drohen, es in Kürze zu sein. Dennoch sollen auf diesen Strecken künftig längere und vor allem mehr Züge fahren. Um die zunehmenden Passagierzahlen zu bewältigen, werden daher künftig wieder mehr Doppelstock-Züge eingesetzt, versprach Schneider.

Eine neue Linie soll zum Beispiel den Wissenschaftsstandort Potsdam-Golm mit Potsdam Hauptbahnhof und dem Berliner Stadtbezirk Spandau verbinden. Die am häufigsten genutzte Regionalexpresslinie RE1 - von Magdeburg über Brandenburg/Havel, Potsdam, Berlin bis Frankfurt (Oder) - soll diesen Plänen zufolge in der Hauptverkehrszeit drei- statt wie bisher zweimal pro Stunde fahren.

Vorgesehen ist auch die, wie es Ministerin Schneider ausdrückte, »Auflösung des Knotens Königs Wusterhausen«, damit auch die dahinter liegenden Haltepunkte besser erreichbar sind. Gemeint ist damit die Ertüchtigung der Strecke Cottbus - Königs Wusterhausen - Berlin. Vor allem geht es um den zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen den Bahnhöfen Zeuthen und Königs Wusterhausen sowie des dortigen Bahnhofs.

Der Prignitz-Express (RE6) mit Halt in Velten und Durchbindung nach Berlin Gesundbrunnen soll nun endgültig bis 2030 fertig werden.

Die Vielzahl der vor der Region liegenden Baumaßnahmen wird zumindest zeitweilig »zu Einschränkungen führen müssen«, kündigte die Ministerin an. Als unausweichlich bezeichnete sie den Dauerkonflikt zwischen dem Anspruch an eine möglichst geringe Reisezeit und dem erwarteten Halt an vielen Bahnhöfen. »Dem müssen wir uns stellen.«

VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel kündigte den Bau von mehr Parkplätzen für Autos und Fahrräder an Nahverkehrs-Endpunkten an. In den Zügen soll eine übersichtlichere Einteilung den Konflikt zwischen Passagieren mit und ohne Fahrrad mindern. Das Plus-Bus-Angebot werde sich erweitern.

Der Ausbau des Angebots komme derzeit nicht zügiger voran, weil »ganz Deutschland nach Schienenfahrzeugen sucht«, wie Schneider angab. Zum einen würden Verkehrsunternehmen nicht genügend bestellen, zum anderen verzögere sich beispielsweise die Auslieferung von Doppelstockzügen des Bombardier-Standortes Hennigsdorf (Oberhavel).

Dem »Druck auf dem Berliner Kessel« könne man mit den genannten Plänen im Verkehrsbereich begegnen, doch sei das nicht völlig risikolos, räumten beide Fachfrauen ein. Wenn noch mehr Menschen vom ÖPNV abhängen, dann würden solche Schadensereignisse wie beim jüngsten Sturm noch dramatischere Auswirkungen haben. »Wir haben uns die Karten gelegt«, sagte Susanne Henckel. Bäume müssten nicht an den Schienenwegen wachsen, das Störungs-Management und die Hindernisbeseitigung müssten besser abgestimmt sein beziehungsweise schneller erfolgen. Sie appelliere an die Bahn, Maßnahmen einzuleiten, »damit das System nicht anfälliger wird«.

Der Eindruck, dass die Bahn sich auf den Nahverkehr konzentriere und den Fernverkehr Bus und Flugzeug überlasse, sei »nicht richtig«, betonte Henckel und verwies auf die mit knapp unter vier Stunden Fahrzeit »neue und schnelle Strecke Berlin - München«. Wenn alle Welt von Elektromobilität rede - »die Bahn ist bereits ein Elektromobil«.

Ein Blick in die Zukunft schließt die Anbindung des Flughafens BER ein. Mit dessen Eröffnung werde die Schienenanbindung der Terminals 1 (BER) und 2 (SXF) sichergestellt und stufenweise ausgebaut. Ebenfalls Zukunftsmusik ist der vom Land befürwortete kundegerechte Ausbau der Bahnverbindungen nach Westpolen (in die Richtungen Szczecin, Gorzów, Poznan, Zielona Góra, Wrocław).

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