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Blick unter den braunen Teppich

Kulturbüro Sachsen legt Broschüre zum Netzwerk der NSU-Unterstützer im Freistaat vor / Argumente gegen die Trio-These

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

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»White-Power-Mandy« war die Türöffnerin. Die Frau, die Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe zu ihrer ersten Wohnung in Chemnitz verhalf; die Frau, die Zschäpe mit einer Krankenkassenkarte und Impfpässen für ihre Katzen behilflich war. Mandy S., die aus Erlabrunn im Erzgebirge stammt, dürfte auch ansonsten viele Kontakte geknüpft haben. Sie kannte faktisch jeden in der sächsischen Naziszene, war in allen Strukturen vernetzt und hat dort vermutlich für Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gebürgt, sagt Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen: »Das ist in dieser Szene entscheidend.«

»White-Power-Mandy« ist eine der maßgeblichen Unterstützerinnen des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU), die in einer jetzt erschienenen Broschüre des Kulturbüros näher vorgestellt werden. Das Heft trägt den Titel »Unter den Teppich gekehrt« und rückt einen Aspekt in der Geschichte um die rechtsextreme Gruppierung wieder stärker ins Blickfeld, den das Verfahren gegen Beate Zschäpe in München zuletzt verdrängte. Die Anklage der Bundesanwälte vertritt die Überzeugung, der für neun Morde an Menschen mit türkischen und griechischen Wurzeln sowie den an einer Polizistin verantwortliche NSU habe im Kern nur aus drei Mitgliedern bestanden.

»Wir wollen die Trio-These widerlegen«, sagt dagegen Hannah Zimmermann. Es gebe zahlreiche Hinweise auf eine »viel größere Szene«, die im Prozess aber nur durch die Nebenklage erhärtet worden sei.

Zimmermann hat sich für die Publikation, die 60 eng beschriebene Seiten füllt, durch Mitschriften der Verhandlung in München gearbeitet, durch Protokolle zahlreicher Untersuchungsausschüsse im Bundes- und vielen Landtagen, außerdem durch Bücher und Unmengen an Zeitungsartikeln. In der Broschüre, die zunächst zum einen die Stationen des NSU in Chemnitz und Zwickau nachzeichnet und zum anderen wichtige Nazigruppierungen in Sachsen wie »Blood & Honour« oder die »Weiße Bruderschaft Erzgebirge« beschreibt, stehen acht Unterstützer im Mittelpunkt. Zimmermann betont, dass das Netzwerk deutlich größer gewesen sei. »Wir hatten weit mehr Namen«, sagt sie. Auf der so genannten 129er Liste mit Personen aus dem engeren und weiteren NSU-Umfeld, die Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt im Oktober 2012 zum internen Gebrauch erstellten, sind über 40 Sachsen vermerkt.

Für die jetzige Publikation wurde eine Auswahl getroffen. Sie reicht vom sächsischen Ex-Sektionsleiter von »Blood & Honour« über den Betreiber eines rechten Szeneladens in Chemnitz bis zu Zschäpes »bester Freundin«. Beschrieben werden jeweils Handlungen, mit denen die Untergetauchten unterstützt wurden, die Tätigkeiten der Betreffenden in der rechten Szene und ihre Rolle im Münchner NSU-Prozess, in dem die meisten nur als Zeugen gehört wurden. Zwei der Protagonisten waren als V-Leute tätig. Drei Unterstützerinnen sind Frauen. Zimmermann merkt an, dass die Rolle von Frauen in der Szene bisher »strukturell unterschätzt« wird.

Ermöglicht wurde die Veröffentlichung der Broschüre, von der 1000 Exemplare gedruckt wurden, durch Spenden im Rahmen eines Crowdfundings. Der Zuspruch sei so rege gewesen, dass am Ende noch ein Teil der Einnahmen an die Initiative »NSU Watch« gespendet werden konnte, ohne deren Arbeit die Publikation nicht möglich gewesen wäre, sagt Michael Nattke, Referent im Kulturbüro. Demnächst wird die Broschüre an Ex-Wohnorten des NSU-Trios vorgestellt: am 8. 11. im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Novembertage« in Zwickau und am 17. November in Chemnitz. Interessenten können das Heft gegen Rückporto beim Kulturbüro in Dresden bestellen.

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