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Prüfstein für das neue Potsdam

Tomas Morgenstern sieht mit gemischten Gefühlen auf die Garnisonkirche

  • Lesedauer: 1 Min.

Hätte man, was die Garnisonkirche in Potsdam betriff, nicht doch besser »die Toten ruhen« lassen? Die Meinungen zur Rekonstruktion dieses einstigen Wahrzeichens der alten preußischen Residenzstadt könnten kaum widersprüchlicher sein. Sie war ein herrlicher Barockbau, ihr Turm wird sicher auch die Silhouette der heutigen Landeshauptstadt schmücken.

Nur, das Gotteshaus war eben vor allem Militärkirche und somit eng mit Preußens blutigen Kriegen und seinem elenden Militarismus verknüpft. Und - von der Kanzel aus unwidersprochen - war sie die Kulisse, als sich die Nazis 1933 von den alten Eliten die Legitimation für ihren faktischen Staatsstreich einholten. Ein Bild, das für immer bleibt.

Was nun allem Protest zum Trotz aufgebaut wird, soll ein Ort der Versöhnungs-, Friedens- und Bildungsarbeit werden. Oft wird dafür die Verknüpfung der Schicksale der im Weltkrieg zerstörten Städte Coventry und Potsdam und ihrer bekanntesten Gotteshäuser bemüht. Ob und wie dies gelingt, mit welcher Konsequenz zugleich die Abgrenzung von der unseligen preußisch-militaristischen Traditionslinie durchgesetzt wird - daran wird sich das neue Potsdam messen lassen müssen. Dieser Ort bedarf der Wachsamkeit aller Demokraten.

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