Die fünf Töne

Kein Zweifel, auch der Pionier des Ethio- und Afro-Jazz, der Äthiopier Mulatu Astatke, wird älter: 74 Jahre wird er im Dezember. Und doch scheint er unverdrossen alle paar Jahre in Berlin Station zu machen. Erst vor kurzem war er etwa auf dem Berliner XJazz-Festival zu Gast, am Mittwoch tritt er im Kreuzberger Club »Gretchen« auf.

Den Mann, der in London und Boston studierte und sich in den 60er Jahren viel in New Yorker Jazz-Clubs herumgetrieben hat, kennen in seiner Heimat viele. In Europa erlangte er eine gewisse Bekanntheit erst durch Jim Jarmuschs Spielfilm »Broken Flowers« (2005), in dem ein zerknitterter Bill Murray im Kassettenrecorder seines Automobils immer wieder aufs neue den Mulatu-Astatke-Track »Yegelle Tezeta« abspielt.

Im Sommer gab er dem Musikmagazin »Intro« ein Interview, in dem er das Besondere am Ethio-Jazz erklärte: »Ethio-Jazz ist die Verknüpfung musikalischer Welten - der Sound Äthiopiens trifft auf westlichen Jazz. Technisch gesehen ist das eine Zusammenführung verschiedener Tonleitern: In Äthiopien haben wir vier Tonleitern mit jeweils fünf Tönen, Pentatoniken also. Diese werden mit der traditionellen 12-Tonleiter (also eine Oktave, bei der man die weißen und schwarzen Tasten eines Klaviers zählt) verschmolzen. Das ist nicht einfach. Wenn man nicht aufpasst, verliert man schnell die Schönheit der fünf äthiopischen Töne. Ich habe lange gebraucht, den Umgang damit zu lernen.«

Vielleicht können Sie sich ja am Mittwoch noch hineinschleichen. Offiziell ist das Konzert nämlich schon ausverkauft. nd Foto: Alexis Maryon

Konzert: Mulatu Astatke, 1. 11., 20 Uhr, Club Gretchen, Kreuzberg.

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