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Sexuelles »Geschwätz« und Belästigungen in Westminster

Laut »Daily Telegraph« könnte sich der Skandal ausweiten: Im Parlament zirkuliere schnell wachsende Liste von Abgeordneten, die der Übergriffe beschuldigt werden

  • Von Peter Stäuber, London
  • Lesedauer: 3 Min.

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London. Angefangen hat der Skandal mit Vorwürfen gegen den neu gewählte Labour-Abgeordneten Jared O‘Mara: Eine junge Frau sagte gegen über der BBC, dass sie vom Politiker vor einigen Monaten als »hässliche Schlampe« beschimpft worden sei. O‘Mara – der ausgerechnet im Ausschuss für Frauen und Gleichheit saß – bestreitet dies zwar, aber er hatte sich zuvor bereits entschuldigt für homophobe und frauenfeindliche Bemerkungen, die er vor rund fünfzehn Jahren gemacht hatte. Am Mittwoch wurde er von der Labour-Partei vorübergehend suspendiert.

Am Wochenende kamen weitere Vorfälle ans Licht, diesmal bei der Konservativen Partei. Mark Garnier, Minister im Departement für Internationalen Handel, gab zu, dass er seine Sekretärin vor einigen Jahren beauftragt hatte, ihm ein Sexspielzeug zu kaufen; auch nannte er sie »sugar tits« (Zuckerbusen). Garnier spielte die Episode als harmlosen Scherz herunter. Dennoch wird das Kabinettsbüro eine Untersuchung einleiten, um die Vorwürfe zu prüfen.

Auch der ehemalige Arbeitsminister Stephen Crabb musste sich für »sexuelles Geschwätz« entschuldigen, das er mit einer 19-jährigen Frau führte, die sich für einen Job in seinem Büro beworben hatte. Das ist bereits das zweite Mal, dass Crabb sich Vorwürfen des »Sexting« – also des Versendens von Nachrichten mit sexuellem Inhalt – ausgesetzt sieht: Der erste Vorfall führte im Sommer 2016 zu Crabbs Rücktritt als Minister,

Laut dem »Daily Telegraph« könnte sich der Skandal bald ausweiten: In Westminster zirkuliere eine schnell wachsende Liste von Abgeordneten, die der Übergriffe beschuldigt werden.

Premierministerin Theresa May sagte, sie werde Maßnahmen treffen, um Angestellte in Westminster vor sexueller Belästigung besser zu schützen. Sie fordert etwa, dass das bestehende Beschwerdeverfahren, das derzeit freiwillig ist, zwingend für alle Arbeitsverhältnisse in Westminster gelten soll. Auch soll ein Schlichtungsdienst eingerichtet werden, an den sich Opfer sexueller Belästigung wenden können.

Mehrere weibliche Abgeordnete haben jedoch darauf hingewiesen, dass das Problem breiter ist: Es gehe um die ungleiche Machtverteilung in Westminster, sagte etwa Lucy Powell, Abgeordnete aus Manchester. Die Situation sei ähnlich wie in Hollywood und bei der BBC. Damit spielt Powell auf den schweren Missbrauch seitens des BBC-Entertainers Jimmy Savile an, der vor einigen Jahren bekannt wurde, und auf die Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Wie die Filmindustrie sei Politik ein Umfeld, in dem viele Leute um jeden Preis einen Job wollen, für den sie auf einflussreiche Personen angewiesen sind. In solchen Situationen könne der Machtmissbrauch gedeihen.

Theresa Mays ehemalige Kommunikationschefin sagte, dass die Entgleisungen und Übergriffe von Parlamentsabgeordneten bestimmten Leuten in Westminster bestens bekannt seien und als Druckmittel eingesetzt würden: Die Fraktionsvorsitzenden lassen die betreffenden Abgeordneten wissen, dass sie über ihr Fehlverhalten im Bild sind und die Informationen im Notfall gegen sie verwenden würden – etwa wenn sie sich der Parteilinie widersetzen.

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