Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung
  • Berlin
  • Antisemitismus an Schulen

Was tun gegen Antisemitismus

Expertenkonferenz diskutierte Handlungsstrategien gegen Diskriminierung an Schulen

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Vor welchen Herausforderungen stehen Pädagogen in Bezug auf Antisemitismus? Welche Konzepte der Intervention und Prävention sind sinnvoll? Was kann gegen Judenfeindschaft getan werden? Diese Fragen standen im Zentrum einer zweitätigen Fachkonferenz, die vor kurzem im Pfefferwerk in Prenzlauer Berg unter dem Titel »Antisemitismus an der Schule - ein beständiges Problem?« stattfand. Veranstaltet wurde die Konferenz vom Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST).

»Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Gerade in der Institution Schule scheint die antisemitische Diskriminierung aber zu kulminieren«, sagte Heiko Geue vom Bundesfamilienministerium in seiner Begrüßungsrede. Nur ein kleiner Teil der antisemitischen Übergriffe im schulischen Raum werde überhaupt öffentlich bekannt. Da viele Vorfälle von den Schulen nicht gemeldet werden, müsse man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, sagte Geue. In Berlin meldeten im vergangenen Jahr insgesamt fünf Schulen antisemitische Vorfälle der Polizei. Ein Fall, der in diesem Sommer bundesweit für Schlagzeilen sorgte, war der eines jüdischen Schülers an einer Gemeinschaftsschule in Friedenau. Der 14-Jährige wurde von muslimischen Mitschülern über Monate hinweg antisemitisch beleidigt und geschlagen, bis er schließlich die Schule verließ. Gemma Michalski, die Mutter des Jungen, war zu der Tagung gekommen, um über ihre Erfahrungen zu berichten. »Mein Sohn war wie Freiwild. Mich hat dieser tiefsitzende Hass überrascht«, sagte Michalski. Das Mobbing über Monate hinweg habe ihren Sohn verändert. »Er hat ein Trauma davon getragen. Nach dem Schulwechsel geht es ihm heute ein wenig besser«, sagte Michalski. Besonders erschreckt habe sie, dass die Schulleitung das Problem überhaupt nicht ernstgenommen habe. Und das, obwohl sie wiederholt das Gespräch mit dem Schulleiter gesucht habe.

Dass Lehrer antisemitische Diskriminierung verharmlosen, sei viel zu oft ein Problem, kritisierte Marina Chernivsky, Leiterin des ZWST-Kompetenzzentrums. Oftmals sei den Lehrern gar nicht bewusst, in welchen Ausdrucksformen sich Antisemitismus gegenwärtig zeige. »Die Perspektive der betroffenen Schüler und Eltern fehlt meistens. Viel zu häufig wird Antisemitismus ohne Juden verhandelt«, sagte Chernivsky. Wenn es zu einem antisemitischen Vorfall komme, sei es wichtig, diesen schnell und systematisch im Klassenzimmer aufzuarbeiten.

Präventionsstrategien gegen Antisemitismus an der Schule müssten zuallererst an der Ausbildung der Lehrer ansetzen, forderte Saraya Gomis, Antidiskriminierungsbeauftragte in der Senatsbildungsverwaltung. »Angehende Lehrer müssen im Umgang mit multikulturellen Klassen geschult werden, um konsequent gegen Diskriminierungen vorgehen zu können«, sagte Gomis. Wenn man nicht wisse, wann und wo Antisemitismus anfange, könne man auch nicht bewusst mit dem Problem umgehen.

Deidre Berger, Vorsitzende des American Jewish Committee (AJC), plädierte dafür, die Träger von Antisemitismus zu identifizieren. »Der gewalttätige Antisemitismus an Schulen geht mehrheitlich von muslimisch-arabischen Schülern aus«, sagte Berger. Das bedeute jedoch keineswegs, dass sich nur Muslime antisemitisch äußerten. »Antisemitismus zieht sich durch die ganze Gesellschaft.« Berger plädierte dafür, Studien über das Phänomen Antisemitismus an Schulen anzufertigen. Im Juli hatte das AJC die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Umfrage unter 27 Lehrern an 21 Schulen in acht Bezirken vorgestellt. Daraus hatte sich ergeben, dass antisemitische Einstellungen an Schulen immer mehr an Einfluss gewinnen und dass »Jude« als Schimpfwort weit verbreitet ist.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln