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»Ich bin der Mann ohne Gefühle....

Kathrin Gerlof über Anhörer und Spielführer im BAMF und Reisen nach Afghanistan

  • Von Kathrin Gerlof
  • Lesedauer: 3 Min.

...und ich reite auf einem kalten Pferd.« Fast könnte man meinen, Rainald Grebe hätte ein Lied über bestimmte Behörden geschrieben, die gar nicht für uns Biodeutsche mit dem glücklichen Pass zuständig sind, stattdessen für ausländische Menschen, deren Pass (wenn sie überhaupt einen besitzen) eher Unheil verspricht. Also Unheil für die, nicht für uns. Normalerweise kommt unsereins ja nicht in eine solche Behörde für Ausländische, aber manchmal will es der Teufel und jemand bittet einen in schlechtem Deutsch, ihn zu begleiten, wenn es ums Ganze geht.

Eigentlich ist es ganz hübsch beim Bundesamt gegen Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF genannt, was, schnell ausgesprochen, wie ein Pistolenschuss klingt. Wenn man mal länger warten muss (Das kommt vor: ein ausländischer Mensch kriegt einen Termin zur Anhörung und dann sitzt er da ein paar Stunden und dann wird ihm gesagt, er müsse wieder gehen, es sei kein Dolmetscher aufgetrieben worden. So Dolmetscher mit Übersetzungs- und zugleich Geheimdiensterfahrung sind schwer zu finden. Und dann werden sie auch noch enttarnt.) laufen in den Warteräumen Filmchen, die dem ausländischen Menschen erklären, wie schön es doch wäre, wieder nach Hause zu reisen und dass das BAMF (Peng!), sowie andere Behörden gern behilflich sind, wenn es um die Umsetzung der freiwilligen Rückkehr geht.

Die NPD hat mal mit dem Spruch »Gute Heimreise« für sich geworben. Nun kann und sollte man das Peng!-BAMF und die NPD nicht vergleichen. Die Behörde ist einfach viel, viel größer.

Aber weiter im Text: Nicht jeder ausländische Mensch lässt sich von den Filmchen und der freundlichen Atmosphäre und davon, dass auf dem Schreibtisch des Anhörers eine schwarzrotgoldene Tasse mit der Aufschrift »Spielführer« steht, so beeindrucken, dass er oder sie gleich ein Rückflugticket bucht. Deshalb muss sich der Spielführer mit Hilfe eines Dolmetschers die ganze Geschichte anhören (wie seine Jobbezeichnung Anhörer schon sagt) und hinterher wird alles aufgeschrieben und dann bekommt der ausländische Mensch, der zuvor so fein in Afghanistan gelebt hat, einen Brief, in dem steht, dass er wieder nach Afghanistan zurück soll, weil es da eigentlich schön ist. Viel schöner, als er selbst erzählt hat. Das weiß der Anhörer, der zugleich Spielführer ist. Der war zwar noch nie in Kabul, aber er hat so seine Quellen. Und in einem langen Brief, dessen Quintessenz lautet, dass der Antrag auf Asylanerkennung abgelehnt und subsidiärer Schutzstatus (Na das sind jetzt schwere Wörter, aber von denen hängt Leben und Tod ab, also merken!) nicht zuerkannt wird, beschreibt der Anhörer, bzw. seine Behörde, wie schön es in Kabul ist. Die Provinz habe zwar laut Zwischenbericht des Auswärtigen Amtes im ersten Halbjahr 2017 die höchste absolute Opferzahl unter den afghanischen Provinzen aufgewiesen, mit 4,4 Millionen Einwohnern habe Kabul aber auch die mit Abstand höchste Einwohnerzahl. Deshalb liege dort in der Gesamtbetrachtung die Zahl der Opfer im Landesdurchschnitt. »Zwar ist davon auszugehen, dass in Afghanistan ein innerstaatlicher bewaffneter Konflikt besteht oder zumindest nicht ausgeschlossen werden kann und der Antragsteller als Zivilperson sich daran nicht aktiv beteiligt hat. Es drohen ihm jedoch bei seiner Rückkehr nach Kabul aufgrund der dortigen Situation keine erheblichen individuellen Gefahren aufgrund willkürlicher Gewalt.... Im Vergleich zu Sicherheitskräften, Vertretern der afghanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft bewertet das Auswärtige Amt die unmittelbare militante Bedrohung für die afghanische Bevölkerung - selbst in Gebieten unter Taliban-Kontrolle - als niedrig.«

Der Spielführer weiß also, was Sache ist. Wie ein guter Trainer, der ja nicht unbedingt ein guter Fußballer gewesen sein muss. Und wünscht dann schon mal »Gute Heimreise«.

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