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Kein Freizeitpark wie Disneyland

Der Uluru, Australiens Heiligtum, wird ab Oktober 2019 gesperrt

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Uluru - auch als Ayers Rock bekannt - ist eines der Wahrzeichen Australiens. Außerdem ist der große, rote Inselberg im Zentrum Australiens ein wichtiges Heiligtum der lokalen Aborigine-Völker. Seit der Uluru 1985 offiziell an die Ureinwohner zurückgegeben wurde, baten diese, dass Besucher den Felsen nicht erklimmen, sondern nur umwandern. Seit den 90er Jahren weisen auch Schilder daraufhin. Offiziell verboten war der Aufstieg bisher nicht. Dies soll sich ab Oktober 2019 nun ändern.

Denn trotz der Bitte der Ureinwohner marschierten jedes Jahr tausende Urlauber auf den Uluru, der fast 348 Meter hoch aus dem sehr flachen Outback ragt. Immer wieder fielen Besucher mit Benehmen auf, das die Aborigines beleidigte oder verletzte, für die das gesamte Gebiet eine heilige Stätte ist. 2010 strippte eine Französin auf der Spitze des Berges und ließ sich im Bikini fotografieren. 36 Menschen starben während des Auf- oder Abstieges seit den 50er Jahren. Seit der Zeit werden Aktivitäten auf dem Berg, der seit 1987 Weltkulturerbe ist, offiziell dokumentiert. Zuletzt kam 2010 ein Urlauber beim Abstieg um. Er brach kurz vor Ende des Weges zusammen.

Immer wieder hatten die Ureinwohner diskutiert, wie mit dem unerwünschten Aufstieg zum Uluru umgegangen werden sollte. Nach einer Befragung des dort lebenden Anangu-Volkes hat ein Gremium aus acht Ureinwohnern und drei Repräsentanten der Nationalparkbehörde nun beschlossen, den Weg auf den Felsen ab 2019 amtlich zu sperren. Eine Kette, die den Weg markiert und Wanderern Halt gibt, könnte dann entfernt werden. Dies würde den Auf- und Abstieg noch einmal gefährlicher machen. Zudem wäre ein Umgehen der neuen Regelung ab 26. Oktober 2019 ein strafbares Vergehen, das mit zwei Jahren Gefängnis oder 60 000 australischen Dollar (40 000 Euro) Strafe geahndet werden könnte. Das Gremium begründete seine Entscheidung damit, dass der Uluru ein extrem wichtiger Ort sei und »kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland«.

Der Uluru ist etwa fünf Autostunden von Alice Springs entfernt, mitten im heißen Zentrum Australiens. Der große, rote Felsen ist ein sogenannter Inselberg, die Spitze einer Felsformation, die sich unter der Erde noch kilometerweit ausdehnt.

Ernest Giles und William Gosse waren die ersten Europäer, die die Region im 19. Jahrhundert erkundeten. Der Vermessungsingenieur und Entdecker Gosse benannte ihn 1873 nach dem damaligen Premierminister Südaustraliens, Sir Henry Ayers.

Der Felsen ist Heiligtum der in der Region ansässigen Aboriginal-Völker, der Pitjantjatjara und Yankunytjatjara, die sich selbst Anangu nennen, was »Menschen« bedeutet. Die Anangu nennen den Berg Uluru, ein Name, der sich inzwischen allgemein durchgesetzt hat. Entstanden ist der Uluru durch Erdbewegungen vor hunderten Millionen Jahren, vermuten Geologen. Die Aboriginal-Traditionen erzählen dagegen von Ursprungswesen wie Menschen, Pflanzen und Tieren, die einst die leere Erde überquerten und Landschaftsformen wie den Uluru hinterließen. Andere Geschichten berichten von zwei Jungen, die im Schlamm spielten und den Uluru erschufen.

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