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Kein Geldhahn in Sicht

Venezuela steht die Pleite bevor

  • Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nachdem Venezuela auf den letzten Drücker Schulden in hohem Umfang bediente, bleibt die Pleite dennoch nicht abgewandt. Am Donnerstag werden weitere 1,2 Milliarden Dollar fällig. Für die Regierung in Caracas wird es immer schwieriger neue Kredite zu bekommen. Zudem greifen die Sanktionen, die vor einigen Monaten von der US-Regierung gegen Venezuela verhängt wurden. So wurde der Handel mit neuen venezolanischen Wertpapieren verboten sowie das Geschäftemachen mit Firmen und Privatpersonen aus Venezuela eingeschränkt. Umschuldungsverhandlungen mit dem Ziel, alte Anleihen durch neue zu tauschen, ist damit ein Riegel vorgeschoben.

Bis Ende 2018 müssen rund 13 Milliarden Dollar für den Schuldendienst aufgebracht werden. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um rein staatliche Verbindlichkeiten oder Verbindlichkeiten der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA handelt. Nach Angaben der Zentralbank beträgt die Verschuldung rund 220 Milliarden Dollar. Sie selbst verfügt noch über eine Reserve von knapp 10 Milliarden Dollar, wovon ein Großteil nicht flüssig, sondern in Form von Goldbarren eingelagert ist.

Um die nötigen Dollar für den Schuldendienst zu bekommen, drosselt die Regierung seit Jahren die Ausgaben für die Importe. Wurden 2012 noch Waren im Wert von 70 Milliarden Dollar importiert, so schätzt die unabhängige venezolanische Agentur Ecoanalítica den Wert der importierten Waren bis Jahresende auf nur noch rund 12,5 Milliarden Dollar.

Was sich in den nüchternen Daten verbirgt, spiegelt sich in den leeren Regalen der Supermärkte und Apotheken wider. Der nationale Pharmaverband schätzt, dass rund 80 Prozent der nötigen Arzneimittel nicht mehr zu haben sind. Antibiotika und Impfstoffe sind so gut wie nicht mehr zu bekommen.

Parlamentspräsident Julio Borges verlangte von Präsident Nicolas Maduro eine Änderung der Schuldenpolitik. »Maduro will in diesem Jahr 12 Milliarden Dollar an Auslandsschulden zahlen, trotz der ökonomischen Krise, die Venezuela erlebt. Dagegen machen die Sozialausgaben nicht einmal 40 Prozent dieser Summe aus,« so der Oppositionspolitiker. Dass die Regierung so hartnäckig den Schuldendienst verfolgt, hat für ihn noch einen anderen Grund. »Die Gläubiger sitzen in der Regierung, sie zahlen und kassieren, es ist ein Nest der Korruption,« so Borges.

Stattdessen sollten sie »Essen und Medikamente besorgen, für die Venezolaner, die mit leeren Magen überleben, ohne Geld in den Portemonnaies und ohne Arzneimittel in den Krankenhäusern,« so Borges. Schon lange hat sich der Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten in eine humanitäre Katastrophe verwandelt, deren Ende so unabsehbar ist, wie die alltäglichen Schlangen vor den Supermärkten.

Der dramatische Verfall des Ölpreises seit 2014 ist nicht alleine schuld an Venezuelas Peilte. Zwar produziert die staatliche PDVSA zwei Millionen Fass Öl täglich, aber vor 20 Jahren waren es noch rund drei Millionen. Statt die Förderung zu erhöhen, ist sie seit Jahren rückläufig. Die Gründe sind in den ausbleibenden Investitionen und der mangelnde Wartung der Anlagen und Bohrlöcher zu finden. Einmal geschlossen oder vernachlässigt sind die Förderquellen nur schwer oder sehr langsam wiederzugewinnen.

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