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Journalismus plus Engagement

Dominic Heilig, langjähriger Autor und Unterstützer des »neuen deutschland«, ist gestorben

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 3 Min.
Nachruf: Journalismus plus Engagement

Es ist schon viele Jahre her, dass Dominic Heilig das erste Mal durch den Großraum des »Neuen Deutschland« lief, damals im Redaktionsgebäude in Alt Stralau in Berlin-Treptow. Da war er Praktikant in der Redaktion, und das erste, was ins Auge stach, war sein Gang. Der ähnelte bestechend dem eines Kollegen. Ganz ähnlich typisch bewegt sich sein Vater vorwärts, ein altgedienter und den Lesern der Zeitung wohlbekannter Redakteur, René Heilig. Der Weg in den Journalismus schien dem Sohn vorbestimmt, doch Zeitungsmann in vierter Generation der Familie Heilig zu werden, danach stand Dominic wohl nicht der Sinn. Gleichwohl – er fand seinen Platz ganz in der Nähe.
Dominic verschrieb sich der politischen Arbeit in der Linkspartei. Journalist und Autor konnte er trotzdem sein. Seine Artikel finden sich seit Jahren regelmäßig auch in dieser Zeitung, und die Zusammenarbeit mit ihm war immer eine besondere. Auf Zuruf schrieb er, auch kurzfristig, Analysen zu parteipolitischen Entwicklungen in Europa, denn diese wurden zu seinem Hauptinteressenfeld. Zuletzt Mitglied auch im Vorstand der Europäischen Linken, kannte er sich aus, was das Umfeld besonders der südwesteuropäischen Linksparteien betraf; man konnte es auch in seinem Blog nachlesen. Oder auf der Internetseite »Linke in Europa«, die er im letzten Jahr ins Leben rief. Wenn die für Europa zuständigen Redakteure der Zeitung bei ihm anriefen, trafen sie einen engagierten und informierten Kollegen an, der ihnen meist weiterhelfen konnte.
Auf Pressefesten des »nd« konnte man sicher sein, ihm zu begegnen. Wie er seit Jahren Stammgast nicht nur im Auftrag seiner Partei, sondern auch im Dienste des »neuen deutschland« auf dem Pressefest der portugiesischen Linksparteizeitung war, auf dem Festa do Avante. Er war sich nicht zu schade, dort unsere Zeitungen zu verteilen.
Nun ist diese Zeit zu Ende. Am Dienstag ist Dominic Heilig gestorben, mit nicht einmal 40 Jahren. Nach langer, schwerer Krankheit, müsste es in einem Bulletin wohl heißen. Der Vater dreier Kinder ist aus einem Wachkoma nicht wieder aufgewacht. Schon im Sommer hatte er einen Herzstillstand erlitten, die Zeit bis zur Reanimierung war wohl zu lang.
In der Redaktion hat die Nachricht Betroffenheit ausgelöst. Und es gibt neben dem hilflosen Mitleid gegenüber seinem Vater und seiner Familie noch einen Grund, weshalb es uns in der Redaktion besonders schwer fällt, zur Tagesordnung überzugehen. Weil nämlich die Entscheidung zwischen Parteilichkeit und Objektivität, zwischen journalistischer Distanz und politischem Engagement, die Dominic Heilig auf seine eigene Weise getroffen hatte, auch uns seit Jahren und immer wieder beschäftigt. Sachkenntnis mischte sich mit parteipolitischem Engagement – ein im Journalismus schmaler Grat, dessen Überschreiten leicht den Vorwurf mangelnder Objektivität nach sich zieht. Dominic Heilig war zuletzt Sprecher des Forums Demokratischer Sozialismus, jenes linksparteiinternen Zusammenschlusses, der in den Medien gern als Reformerflügel vereinnahmt wird. In Teilen der Linkspartei nährte solche Zusammenarbeit den Vorwurf auch gegenüber dieser Zeitung, Instrument einer politischen Seite zu sein. In Wirklichkeit ist die Redaktion selbst Spiegel politischer Vielfalt. Menschlicher Umgang miteinander ist wichtige Voraussetzung einer vernünftigen Zusammenarbeit.
Im Mai 2015 scheiterte Dominic mit seinem Versuch, Vizeparteivorsitzender der LINKEN zu werden; der Plan war in der Führung fein austariert und berücksichtigte die West-Ost- wie die Gleichgewichte zwischen Parteilinken und »Reformern«. Letztere erlitten gemeinsam mit Dominic Heilig, der einem überraschenden Gegenkandidaten unterlag, eine bittere Niederlage. Eine so schwere, dass Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn einen Rückzug von seiner erneuten Kandidatur erwog. Doch 2016 trat Heilig wieder für den Parteivorstand an. Sich nicht unterkriegen lassen zu wollen, so begründete er sein unverdrossenes Engagement. Sich an Niederlagen nicht gewöhnen, das hieß es auch. So etwas nötigte neben Journalisten auch politischen Kontrahenten Respekt ab. Er wurde gewählt. Der Mann hatte noch einiges vor, aus dem nun nichts mehr werden kann. Und nichts bleibt, als sich an diesen Gedanken zu gewöhnen.

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